Vatikanbank: Gewinn steigt um 55,5 Prozent

Veröffentlicht am 29. Juli 2026 um 13:00

Rubrik: Finanzen
Format: Analyse
Autor: Sinisa Brkic (sb)

Vatikanbank steigert Gewinn um 55,5 Prozent auf 51 Millionen Euro. Die Vatikanbank erzielt 2025 einen Rekordgewinn von 51 Millionen Euro. Wertpapiererträge, Kundengelder und die Ausschüttung an den Papst im Überblick.

Die Vatikanbank hat 2025 einen Nettogewinn von 51 Millionen Euro erzielt und damit das beste Ergebnis seit zehn Jahren vorgelegt. Der jüngste Nachhaltigkeitsbericht des Instituts zeigt nun, wie der geschaffene wirtschaftliche Wert verteilt wurde. Besonders stark profitierte der Heilige Stuhl, während das Ergebnis vor allem durch Wertpapiergeschäfte und ein günstiges Marktumfeld getragen wurde.

Rekordergebnis erhält neue Aktualität

Das Institut für die religiösen Werke, international unter der Abkürzung IOR bekannt, hat seinen Nettogewinn binnen eines Jahres von 32,8 auf 51 Millionen Euro erhöht. Das entspricht einem Zuwachs von 55,5 Prozent und dem höchsten Ergebnis des Instituts innerhalb eines Jahrzehnts. Der am 28. Juli veröffentlichte Nachhaltigkeitsbericht stellt die bereits im Mai präsentierten Bilanzzahlen erstmals ausführlicher in den Zusammenhang der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Tätigkeit der Vatikanbank.

Das IOR ist keine gewöhnliche Geschäftsbank mit offenem Kundenverkehr. Es betreut Einrichtungen und Personen, die unmittelbar zur katholischen Kirche oder zum Heiligen Stuhl gehören, darunter Orden, Diözesen, Geistliche, vatikanische Beschäftigte und diplomatische Vertretungen. Nach eigenen Angaben versorgt das Institut mehr als 12.000 Kunden in über 110 Ländern und ist die einzige Einrichtung, die im Vatikanstaat professionelle Finanzgeschäfte betreiben darf.



Wertpapiergeschäft treibt den Gewinn

Der entscheidende Ergebnisbeitrag kam nicht aus einer starken Ausweitung klassischer Bankgebühren. Der Zinsüberschuss stieg zwar von 29,4 auf 32,3 Millionen Euro, während der Provisionsüberschuss mit 26,2 Millionen Euro geringfügig unter dem Vorjahreswert von 26,5 Millionen Euro blieb. Deutlich stärker entwickelte sich dagegen das Ergebnis aus der Finanzintermediation, das von 51,5 auf 66,3 Millionen Euro zulegte.

Hinter diesem Anstieg steht vor allem das eigene Wertpapiervermögen des Instituts. Die finanziellen Vermögenswerte des IOR trugen 39,3 Millionen Euro zum Ergebnis bei, nach 23,7 Millionen Euro im Jahr zuvor. Allein aus Schuldverschreibungen kamen 40,9 Millionen Euro, während 2024 noch 28,6 Millionen Euro erreicht worden waren.

Die Zahlen zeigen, dass das Rekordergebnis wesentlich von der Entwicklung der Kapitalmärkte und der aktiven Verwaltung des eigenen Portfolios abhängig war. Das Institut selbst verweist auf günstige Marktbedingungen und eine disziplinierte Portfoliosteuerung. Damit ist der Gewinnanstieg substanziell, jedoch nicht automatisch als dauerhaftes neues Ertragsniveau zu betrachten.

Kundengelder steigen auf fast 5,9 Milliarden Euro

Die gesamten vom IOR betreuten Kundenvermögen erhöhten sich von 5,717 auf 5,873 Milliarden Euro. Besonders deutlich wuchs die Vermögensverwaltung, deren Volumen von 3,186 auf 3,450 Milliarden Euro zunahm. Das verwahrte Wertpapiervermögen sank dagegen von 889 auf 864 Millionen Euro, während die Kundeneinlagen von 1,642 auf 1,559 Milliarden Euro zurückgingen.

Diese Verschiebung deutet auf eine stärkere Nachfrage nach aktiv verwalteten Mandaten hin. Statt Vermögen lediglich auf Konten oder in der Verwahrung zu halten, übertrugen Kunden dem IOR mehr Mittel zur direkten Verwaltung. Allein religiöse Gemeinschaften standen Ende 2025 für Vermögenswerte von rund 2,3 Milliarden Euro und damit für 39 Prozent des gesamten Kundenvolumens.

Die Zahl der Ordensgemeinschaften mit Verwaltungsmandaten stieg innerhalb eines Jahres von 533 auf 546. Das von ihnen aktiv verwaltete Vermögen erhöhte sich von 1,61 auf 1,68 Milliarden Euro. Für das IOR ist diese Kundengruppe von besonderer Bedeutung, weil viele Orden langfristige Rücklagen für soziale, missionarische und karitative Aufgaben verwalten.

24,3 Millionen Euro für den Papst

Aus dem Jahresgewinn wurden 24,3 Millionen Euro an den Heiligen Vater ausgeschüttet. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einer Erhöhung um 76,1 Prozent. Die Zahlung ist nicht als privates Einkommen des Papstes zu verstehen, sondern als Ausschüttung an die oberste kirchliche Autorität zur Unterstützung religiöser und karitativer Aufgaben.

Der Nachhaltigkeitsbericht beziffert den vom Institut insgesamt geschaffenen wirtschaftlichen Wert auf 67,6 Millionen Euro, nach 50 Millionen Euro im Vorjahr. Davon entfielen 36 Prozent auf den Heiligen Vater, 23 Prozent auf die Beschäftigten und 14 Prozent auf Lieferanten. Der verbleibende Anteil blieb im Institut und stärkte dessen Kapitalbasis.

Damit erhält der Gewinn eine Bedeutung, die über eine gewöhnliche Bankbilanz hinausgeht. Das IOR soll nicht nur Vermögen bewahren und Erträge erwirtschaften, sondern zugleich finanzielle Mittel für die weltweite Arbeit der katholischen Kirche bereitstellen. Je stärker das Institut verdient, desto größer ist grundsätzlich auch sein möglicher Beitrag zur Finanzierung des Heiligen Stuhls.

Eine außergewöhnlich starke Kapitalbasis

Das Eigenkapital des IOR stieg um 83,4 Millionen Euro auf 815,3 Millionen Euro. Die harte Kernkapitalquote erhöhte sich auf 71,9 Prozent und liegt damit weit über den bei Geschäftsbanken üblichen regulatorischen Mindestwerten. Die hohe Quote erklärt sich allerdings auch aus dem besonderen Geschäftsmodell des Instituts, das nur begrenzt Kredite vergibt und einen großen Teil seiner Mittel in vergleichsweise liquide Wertpapiere investiert.

Gleichzeitig stiegen die Verwaltungskosten von 23,8 auf 25,2 Millionen Euro. Als Gründe nennt das IOR einen höheren Personalaufwand sowie zusätzliche Ausgaben für professionelle Dienstleistungen. Die Aufwendungen wuchsen damit deutlich langsamer als die Erträge, was die operative Profitabilität zusätzlich verbesserte.

Der Abschluss wurde von Deloitte & Touche ohne Einschränkung bestätigt und Ende April einstimmig vom Aufsichtsrat des Instituts gebilligt. Die Prüfung bezieht sich auf die Finanzberichte, während weitergehende Aussagen zur Nachhaltigkeit und zur Wirkung der kirchlichen Anlagekriterien gesondert zu bewerten sind.

Katholische Anlagegrundsätze werden zum Geschäftsmodell

Nach Darstellung des Instituts entsprachen 2025 sämtliche Produkte der Vermögensverwaltung den katholischen ethischen Vorgaben und erzielten zugleich positive Bruttorenditen. Ausgeschlossen werden sollen unter anderem Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit nach kirchlicher Bewertung dem menschlichen Leben, der Umwelt, der Gesellschaft oder einer verantwortungsvollen Unternehmensführung schadet.

Das IOR beziffert den durch die Verwaltung anvertrauter Vermögen geschaffenen Wert auf rund 142,5 Millionen Euro. Zugleich wurden mehr als 2.700 Stunden für die Aus und Weiterbildung der Beschäftigten aufgewendet. Rund 300 Kunden nahmen außerdem an Programmen zur Wirtschafts und Finanzbildung teil.

Auch die Digitalisierung schreitet voran. Der Ausbau des Onlinebankings und die vollständige Digitalisierung von Archivbeständen sollen die Papierbeschaffung um 37 Prozent reduziert haben. Das Institut versucht damit, seine finanzielle Ertragskraft mit einem Modell zu verbinden, das sich ausdrücklich auf die Soziallehre der katholischen Kirche beruft.

Der Gewinn schafft Spielraum, aber auch Verantwortung

Die Vatikanbank steht finanziell so stark da wie seit Jahren nicht. Der hohe Gewinn, die wachsenden verwalteten Vermögen und die außergewöhnlich robuste Kapitalausstattung verschaffen dem Institut erheblichen Handlungsspielraum. Zugleich zeigen die Zahlen, dass der Erfolg maßgeblich von Wertpapiererträgen und einem günstigen Marktumfeld getragen wurde.

Für den Vatikan ist das Ergebnis dennoch von strategischer Bedeutung. Das IOR stabilisiert nicht nur seine eigene Bilanz, sondern liefert dem Heiligen Stuhl eine deutlich höhere Ausschüttung. Gerade in einer Zeit, in der kirchliche Institutionen ihre Finanzen konsolidieren müssen, wird aus der lange problembehafteten Vatikanbank zunehmend ein zentraler wirtschaftlicher Stützpfeiler der Weltkirche.


Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.