Die Macht von Basel: BIS Bank für Internationalen Zahlungsausgleich

Veröffentlicht am 9. August 2026 um 09:11

Rubrik: Geopolitik
Format: Leitartikel
Autor: Sinisa Brkic (sb)

Sie erlässt keine Gesetze, führt keine Regierung und bestimmt nicht unmittelbar über die Zinssätze einzelner Staaten. Trotzdem gehört die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel zu jenen Institutionen, deren Arbeit tief in das globale Finanzsystem hineinreicht. Seit 1930 bringt sie Zentralbanken zusammen, verwaltet Reserven, liefert Daten, begleitet internationale Standards und arbeitet heute an jener Infrastruktur, auf der das Geld der digitalen Zukunft zirkulieren könnte. Wer verstehen will, wie finanzielle Macht jenseits von Parlamenten, Regierungen und gewöhnlichen Geschäftsbanken organisiert wird, kommt an der BIS nicht vorbei.

Eine Bank, die nicht wie eine gewöhnliche Bank funktioniert

Wer nach den mächtigsten Institutionen der Welt sucht, blickt gewöhnlich nach Washington, Brüssel, Peking, Frankfurt oder New York. Basel erscheint in dieser Aufzählung zunächst unscheinbar. Doch dort sitzt seit 1930 eine Institution, die einen außergewöhnlichen Platz in der internationalen Ordnung einnimmt: die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, im Englischen Bank for International Settlements, kurz BIS.

Sie ist weder Geschäftsbank noch Zentralbank im üblichen Sinn. Sie gibt keine eigene Weltwährung aus, setzt keinen globalen Leitzins fest und kann einer nationalen Zentralbank keine geldpolitische Entscheidung befehlen. Ihre Bedeutung entsteht vielmehr aus ihrer Position zwischen den Zentralbanken, aus ihrer Funktion als Forum, Bank, Forschungszentrum, technischer Knotenpunkt und institutionelle Heimat wichtiger Gremien der internationalen Finanzarchitektur.

Genau diese Konstruktion macht die BIS interessant. Ihre Macht ist selten unmittelbar sichtbar, aber an vielen Stellen strukturell wirksam.



Der Anfang: Eine Bank für die finanziellen Folgen des Ersten Weltkriegs

Die Geschichte beginnt nicht mit digitalen Währungen, Bankenregulierung oder globalen Finanzmärkten. Sie beginnt mit den wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs und der Frage, wie die Deutschland auferlegten Reparationszahlungen organisiert werden sollten. Im Rahmen des Young Plans wurde 1930 eine Institution geschaffen, die den Einzug, die Verwaltung und die Verteilung dieser Zahlungen übernehmen sollte.

Am 20. Januar 1930 wurde im Zuge der Haager Vereinbarungen die Grundlage für die BIS gelegt. Beteiligt waren unter anderem Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan, das Vereinigte Königreich und die Schweiz als Sitzstaat. Am 17. Mai 1930 nahm die Bank in Basel ihre Tätigkeit auf.

Schon in ihrer Konstruktion steckte jedoch mehr als eine Reparationsstelle. Die Gründer wollten eine dauerhafte Plattform schaffen, über die Zentralbanken miteinander arbeiten konnten. Die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Zentralbanken gehörte deshalb von Beginn an zu den zentralen Aufgaben.

Dann überholte die Geschichte den ursprünglichen Zweck erstaunlich schnell. Die Weltwirtschaftskrise, die deutsche Bankenkrise von 1931, das Hoover Moratorium und schließlich das Lausanner Abkommen von 1932 ließen das Reparationssystem faktisch zusammenbrechen. Die Institution aber blieb bestehen.

Damit geschah etwas Entscheidendes: Eine Bank, die aus einem konkreten politischen Problem der Nachkriegsordnung entstanden war, löste sich institutionell von diesem Problem und fand eine wesentlich dauerhaftere Aufgabe.

Aus dem Reparationsverwalter wurde ein Treffpunkt der Zentralbanken

Nachdem die Reparationen ihre ursprüngliche Bedeutung verloren hatten, verlagerte sich die Tätigkeit der BIS auf Zentralbankkooperation, Devisengeschäfte, Goldtransaktionen und Reserveverwaltung. Gleichzeitig entwickelte Basel jene Funktion, die bis heute wesentlich ist: einen Ort zu schaffen, an dem führende Zentralbanker regelmäßig miteinander sprechen können.

Das klingt zunächst weniger spektakulär als ein Zinsschritt der Federal Reserve oder eine Entscheidung der Europäischen Zentralbank. Institutionell ist es jedoch bedeutsam. Finanzkrisen, Währungsbewegungen, Kapitalströme und Bankenrisiken überschreiten Grenzen, während politische und rechtliche Verantwortung weitgehend national organisiert bleibt.

Die BIS entstand damit früh als Antwort auf ein Problem, das bis heute nicht gelöst ist. Geldsysteme sind national verankert, Finanzmärkte dagegen international miteinander verflochten.

Die dunkelste Episode: Die BIS im Zweiten Weltkrieg

Eine ernsthafte Geschichte dieser Institution darf ihre problematischste Phase nicht auslassen. Während des Zweiten Weltkriegs versuchte die BIS, ihren Status als neutrale internationale Finanzinstitution aufrechtzuerhalten. Diese Neutralität führte jedoch zu Entscheidungen, die später schwere Fragen aufwarfen.

Bereits im März 1939 wurde Gold der tschechoslowakischen Zentralbank, das über die BIS bei der Bank of England gehalten wurde, auf Grundlage einer nach der deutschen Besetzung Prags ergangenen Anweisung zugunsten eines Kontos der Deutschen Reichsbank transferiert. Später stellte sich heraus, dass die Anweisung unter Zwang erfolgt war. Während des Krieges erhielt die BIS zudem Gold von der Reichsbank, von dem nach Kriegsende festgestellt wurde, dass Teile aus von Deutschland geraubten Zentralbankbeständen stammten.

Die BIS gab nach dem Krieg 3,7 Tonnen Gold an die alliierte Kommission zur Restitution monetären Goldes zurück. Dieser Abschnitt gehört zur Geschichte der Bank und ist deshalb mehr als eine historische Fußnote: Er zeigt, wie schwierig die Berufung auf institutionelle Neutralität wird, wenn Finanztransaktionen in einem Umfeld staatlicher Gewalt stattfinden.

1944 stand sogar die Existenz der BIS auf dem Spiel. Auf der Konferenz von Bretton Woods wurde eine Resolution verabschiedet, die ihre Auflösung zum frühestmöglichen Zeitpunkt verlangte. Mit Internationalem Währungsfonds und Weltbank schien für manche Delegierte eine neue internationale Finanzordnung entstanden zu sein, in der Basel überflüssig werden könnte.

Doch die BIS überlebte. Europäische Zentralbanker setzten sich für ihren Fortbestand ein, und bis 1948 war die Forderung nach ihrer Liquidation praktisch vom Tisch.

Eine der bemerkenswertesten Tatsachen ihrer Geschichte lautet deshalb: Die Institution, die heute an der Architektur des Geldsystems der Zukunft arbeitet, sollte vor mehr als acht Jahrzehnten bereits abgeschafft werden.

Europas monetäres Labor

Nach dem Krieg bekam die BIS eine neue Bedeutung. Sie wurde zu einem wichtigen Ort für die Wiederherstellung der europäischen Zahlungsfähigkeit und die Kooperation zwischen Zentralbanken. In den 1950er Jahren wirkte sie als Agent der Europäischen Zahlungsunion, die half, den Zahlungsverkehr zwischen europäischen Staaten wieder funktionsfähig zu machen und die Konvertibilität ihrer Währungen vorzubereiten.

Mit dem Bretton Woods System, später mit dessen Zerfall, den Ölkrisen, internationalen Kapitalbewegungen und Schuldenkrisen veränderten sich die Themen. Das Grundproblem blieb gleich: Je stärker Finanzmärkte miteinander verbunden wurden, desto größer wurde der Bedarf an Koordination.

In Basel wuchs damit eine Infrastruktur der Zusammenarbeit, die weit über klassische Zentralbankgeschäfte hinausging. Forschung, Statistik, Bankenaufsicht, Finanzstabilität und Zahlungsverkehr wurden zunehmend Teil eines institutionellen Geflechts.

Der Basel Effekt: Wie Empfehlungen zu globalen Regeln werden

Besonders deutlich wird der Einfluss am Basel Committee on Banking Supervision, dem Basler Ausschuss für Bankenaufsicht. Der Ausschuss ist nicht mit der BIS gleichzusetzen, wird jedoch von ihr institutionell unterstützt und hat sein Sekretariat in Basel. Seine Standards gehören zu den einflussreichsten Regelwerken des internationalen Bankwesens.

Basel I, Basel II und später Basel III legten Grundlinien dafür fest, wie Banken Risiken bewerten, Eigenkapital vorhalten und Liquiditätsrisiken beherrschen sollen. Diese Standards sind keine Weltgesetze, die von der BIS unmittelbar über nationale Parlamente hinweg erlassen werden.

Der Mechanismus ist subtiler. Internationale Aufseher und Zentralbanken einigen sich auf gemeinsame Standards, Mitgliedsländer verpflichten sich politisch zu deren Umsetzung, anschließend werden die Vorgaben in nationale oder europäische Rechtsordnungen übertragen. Erst dort entsteht die unmittelbar verbindliche Wirkung für einzelne Banken.

Gerade darin liegt ein Schlüssel zum Verständnis des Basler Einflusses. Die Macht besteht nicht darin, nationales Recht zu ersetzen, sondern darin, einen internationalen Referenzrahmen zu schaffen, an dem sich nationales Recht anschließend orientiert.

Für einen Kreditnehmer ist dieser Prozess kaum sichtbar. Wenn regulatorische Eigenkapitalanforderungen aber verändern, welche Kredite eine Bank vergibt, wie Risiken bewertet werden oder welche Finanzierung teurer wird, kann eine in internationalen Gremien entwickelte Regel schließlich im Alltag eines Unternehmens oder Haushalts ankommen.

Wem untersteht die BIS?

Die kurze Antwort lautet: keinem einzelnen Staat, keinem Finanzministerium und keiner supranationalen Regierung. Die BIS ist eine internationale Organisation mit eigener Rechtspersönlichkeit und einer außergewöhnlichen, historisch gewachsenen Rechtsgrundlage.

Eigentümer sind gegenwärtig 63 Zentralbanken und Währungsbehörden. Diese Mitglieder repräsentieren Staaten, die zusammen rund 95 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung ausmachen. Die Mitgliedschaft umfasst damit einen großen Teil der wirtschaftlich bedeutenden Welt, allerdings bedeutet sie keine Unterordnung dieser Zentralbanken unter die BIS.

Die Bank wird auf drei Ebenen geführt. Die Mitgliedszentralbanken bilden die Eigentümerbasis und kommen zur Generalversammlung zusammen, der Verwaltungsrat bestimmt die strategische und politische Richtung und beaufsichtigt das Management, das Management wiederum führt das operative Geschäft.

Damit besitzt die BIS keine klassische übergeordnete Aufsichtsbehörde wie eine normale Geschäftsbank. Ihre Kontrolle ist in ihrer internationalen und statutarischen Governance angelegt.

Das eigentliche Kontrollzentrum: Der Verwaltungsrat

Der Verwaltungsrat ist das zentrale Aufsichtsorgan der Bank. Er bestimmt die strategische und politische Ausrichtung, beaufsichtigt das Management und erfüllt jene Aufgaben, die ihm durch das Statut der BIS übertragen sind. Das Gremium kann bis zu 18 Mitglieder umfassen und tritt mindestens sechsmal jährlich zusammen.

Innerhalb des Verwaltungsrats bestehen weitere Kontrollstrukturen. Ein Audit Committee befasst sich mit interner Kontrolle, Finanzberichterstattung, Compliance sowie interner und externer Prüfung. Ein Banking and Risk Management Committee überwacht die finanziellen Ziele des Bankgeschäfts und die Risikomanagementsysteme, während weitere Ausschüsse für Administration und Personalentscheidungen zuständig sind.

Die Finanzabschlüsse der BIS werden extern geprüft. Kontrolle existiert also durchaus, sie folgt jedoch nicht dem Modell einer staatlich beaufsichtigten Geschäftsbank, sondern der Governance einer internationalen Organisation im Eigentum von Zentralbanken.

Fabio Panetta und Pablo Hernández de Cos: Zwei unterschiedliche Machtpositionen

Seit dem 3. Juni 2026 steht der Italiener Fabio Panetta dem Verwaltungsrat vor. Der Gouverneur der Banca d’Italia wurde für eine dreijährige Amtszeit gewählt und führt damit jenes Gremium, das die strategische Richtung der BIS bestimmt und das Management beaufsichtigt.

Der operative Chef der Bank ist hingegen Pablo Hernández de Cos. Er übernahm das Amt des General Managers am 1. Juli 2025 für eine fünfjährige Amtszeit und folgte auf Agustín Carstens.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Der Vorsitzende des Verwaltungsrats steht an der Spitze des Aufsichtsorgans, der General Manager führt die Institution operativ und trägt gegenüber dem Verwaltungsrat Verantwortung für die Geschäftsführung.

Pablo Hernández de Cos: Ein Mann aus dem Zentrum der europäischen Geldpolitik

Hernández de Cos ist kein Manager, der erst mit seiner Berufung nach Basel in das Zentralbanksystem eingetreten wäre. Seine Karriere verlief über Jahrzehnte innerhalb jener Institutionen, die Geldpolitik, Finanzstabilität und Bankenaufsicht gestalten.

1997 begann er bei der Banco de España. Später leitete er dort den Bereich Volkswirtschaft, Statistik und Forschung, bevor er von 2018 bis 2024 Gouverneur der spanischen Zentralbank wurde. In dieser Funktion gehörte er zugleich dem EZB Rat an.

Von 2019 bis 2024 führte er außerdem den Basler Ausschuss für Bankenaufsicht. Damit kannte Hernández de Cos das institutionelle Basel lange bevor er General Manager der BIS wurde. Seine fachlichen Schwerpunkte reichen von Makroökonomie und Fiskalpolitik über Geldpolitik bis zur Finanzstabilität.

Er verfügt über einen Doktortitel in Volkswirtschaftslehre, studierte Wirtschaft und Betriebswirtschaft und besitzt zudem einen Abschluss in Rechtswissenschaften. Seine Biografie verbindet damit ökonomische Analyse, regulatorische Erfahrung, Zentralbankpraxis und europäische Geldpolitik in ungewöhnlicher Dichte.

Sein Einfluss darf dennoch nicht mit Befehlsgewalt verwechselt werden. Ein General Manager der BIS kann weder der Federal Reserve noch der EZB oder der Schweizerischen Nationalbank einen Zinsschritt vorschreiben. Er kann aber Themen setzen, institutionelle Prioritäten beeinflussen, internationale Debatten strukturieren und eine Organisation führen, in der ein erheblicher Teil der weltweiten Zentralbankgemeinschaft regelmäßig zusammenarbeitet.

Die unsichtbare Macht der regelmäßigen Treffen

Ein wesentlicher Teil des Basler Modells liegt nicht in öffentlichkeitswirksamen Entscheidungen, sondern in regelmäßiger Kommunikation. Die Gouverneure der 63 Mitgliedszentralbanken treffen sich im Rahmen der BIS zu Beratungen über wirtschaftliche Entwicklungen, Geldpolitik, Märkte und Finanzstabilität.

Solche Treffen ersetzen keine nationalen Entscheidungsgremien. Sie schaffen jedoch einen gemeinsamen Informationsraum, in dem jene Personen miteinander sprechen, die anschließend in ihren jeweiligen Institutionen Entscheidungen von erheblicher wirtschaftlicher Tragweite treffen.

Hier liegt eine schwer messbare Form institutioneller Macht. Wer ein internationales Problem definiert, die Daten dazu bereitstellt, Lösungsvarianten vergleicht und die entscheidenden Akteure an einen Tisch bringt, muss keine formelle Weisungsbefugnis besitzen, um Einfluss auszuüben.

Eine Bank mit echten Bankgeschäften

Die Bezeichnung Bank ist keineswegs nur historischer Schmuck. Die BIS betreibt ein erhebliches Bankgeschäft für Zentralbanken, Währungsbehörden und internationale Finanzinstitutionen. Dazu gehören Einlagen, Devisen und Goldgeschäfte, Vermögensverwaltung sowie weitere Dienstleistungen für die Verwaltung offizieller Reserven.

Dabei reicht der Kundenkreis über die 63 Eigentümer hinaus. Rund 180 Zentralbanken, Währungsinstitutionen und internationale Finanzorganisationen nutzen Bankdienstleistungen der BIS. Ende März 2026 belief sich die Bilanzsumme der Bank auf rund 482 Milliarden Sonderziehungsrechte.

Diese Dimension zeigt, dass Basel nicht lediglich ein Konferenzort für Geldpolitiker ist. Die BIS ist gleichzeitig ein operativer Akteur im internationalen Reserve und Liquiditätsmanagement.

Die Covid-Pandemie: Was die BIS tat und was sie nicht tat

Die Pandemie von 2020 war ein außergewöhnlicher Belastungstest für das internationale Finanzsystem. Innerhalb weniger Wochen brachen Wirtschaftsaktivität und Marktliquidität in Teilen der Welt ein, während Regierungen, Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden mit Maßnahmen reagierten, deren Umfang in Friedenszeiten kaum vorstellbar gewesen wäre.

Die BIS war dabei weder Gesundheitsbehörde noch politische Entscheidungsstelle für Lockdowns oder Impfprogramme. Sie koordinierte keine gesundheitspolitischen Maßnahmen und besaß dafür auch kein Mandat. Ihre Rolle lag im Bereich von Geld, Finanzstabilität, Banken, Zahlungsverkehr und internationaler Zentralbankkooperation.

Die Bank analysierte die massiven geldpolitischen Reaktionen und beschrieb, wie Zentralbanken als Liquiditätsgeber Märkte stabilisierten, Finanzierungsbedingungen lockerten und gemeinsam mit fiskalpolitischen Maßnahmen einen Zusammenbruch des Finanzsystems verhindern sollten. Gleichzeitig wurden die langfristigen Risiken der außergewöhnlich engen Verbindung zwischen Geld und Fiskalpolitik untersucht.

Die Pandemie beschleunigte zudem einen Trend, der für die spätere Strategie der BIS entscheidend wurde: die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs. Was zuvor vor allem als technologische Entwicklung erschien, wurde plötzlich zu einer Frage der Widerstandsfähigkeit des gesamten Wirtschaftslebens.

Von Covid zur digitalen Geldordnung

Seitdem hat sich das Zentrum der Diskussion verschoben. Heute geht es nicht mehr nur darum, bestehende Zahlungssysteme schneller zu machen, sondern um die Frage, wie Geld selbst in einer zunehmend tokenisierten Finanzwelt organisiert werden soll.

Die BIS beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit digitalen Zentralbankwährungen, sogenannten Central Bank Digital Currencies. Eine internationale BIS Erhebung zeigte, dass 2024 bereits 85 von 93 befragten Zentralbanken, also 91 Prozent, an einer Form von Retail oder Wholesale CBDC forschten.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die BIS eine einzige globale Digitalwährung vorbereitet. Auch die oft geäußerte Vorstellung, Basel könne eines Tages per Beschluss Bargeld auf der ganzen Welt abschaffen, findet in der tatsächlichen institutionellen Struktur keine Grundlage.

Die gegenwärtige Richtung ist wesentlich technischer und für das Finanzsystem möglicherweise folgenreicher. Im Mittelpunkt steht zunehmend die Tokenisierung von Zentralbankreserven, Geschäftsbankeinlagen und Vermögenswerten auf programmierbaren Infrastrukturen.

Die stille Revolution heißt möglicherweise nicht CBDC, sondern Tokenisierung

Die öffentliche Debatte konzentriert sich häufig auf die Frage, ob Bürger künftig einen digitalen Euro, Dollar oder Franken auf dem Smartphone halten werden. In Basel wird parallel an einer Ebene gearbeitet, die für die Architektur des Finanzsystems womöglich wichtiger ist: dem digitalen Umbau des Großzahlungsverkehrs zwischen Banken und Zentralbanken.

Die BIS verfolgt die Vorstellung eines Finanzsystems, in dem tokenisierte Zentralbankreserven und tokenisierte Geschäftsbankeinlagen auf miteinander verbundenen, programmierbaren Plattformen abgewickelt werden können. Zahlungen, Eigentumsübertragungen, Compliance Prüfungen und Abwicklung könnten dadurch enger miteinander verbunden werden.

Das ist keine kosmetische Modernisierung. Wenn Geld und Finanzanlagen programmierbar werden, verändert sich die Infrastruktur, auf der internationale Finanzgeschäfte stattfinden.

Und Infrastruktur ist Macht, weil sie festlegt, was technisch möglich ist, welche Teilnehmer Zugang erhalten, welche Informationen verarbeitet werden und nach welchen Regeln Transaktionen endgültig werden.



Project Agorá: Das Experiment hat bereits echtes Geld erreicht

Eines der wichtigsten Projekte dieser Entwicklung trägt den Namen Agorá. Die BIS arbeitet dabei mit acht Zentralbanken und mehr als 40 privaten Finanzinstitutionen an einer gemeinsamen programmierbaren Plattform für grenzüberschreitende Großzahlungen.

Die Idee besteht darin, tokenisierte Zentralbankreserven und tokenisierte Geschäftsbankeinlagen so zusammenzuführen, dass mehrstufige internationale Transaktionen atomar abgewickelt werden können. Vereinfacht bedeutet das: Die verschiedenen Teile eines Geschäfts werden gemeinsam vollständig ausgeführt oder gar nicht.

Im Juli 2026 erreichte das Projekt eine bemerkenswerte Schwelle. 28 beteiligte Finanzinstitutionen und Zentralbanken aus Asien, Europa und Nordamerika führten in einer kontrollierten Umgebung Transaktionen mit realen Werten durch. Insgesamt wurden dabei verschiedene Währungen im Gegenwert von rund 800.000 Schweizer Franken über 17 Testszenarien bewegt.

Noch ist Agorá kein fertiges globales Zahlungssystem. Doch der Schritt vom Konzept über einen Prototyp zu Transaktionen mit realem Wert zeigt, dass die Diskussion über programmierbare internationale Geldinfrastruktur längst nicht mehr ausschließlich theoretisch geführt wird.

Die entscheidende Frage lautet: Wer programmiert die Regeln?

Technologisch klingt die Aussicht verlockend. Internationale Zahlungen könnten schneller, transparenter und möglicherweise günstiger werden. Transaktionen könnten rund um die Uhr abgewickelt werden, während bestimmte rechtliche oder regulatorische Bedingungen direkt in Abläufe integriert werden.

Doch genau an diesem Punkt beginnt die politische Dimension. Sobald Geldinfrastruktur programmierbar wird, müssen Fragen nach Governance, Datenschutz, Zugang, Sanktionen, Geldwäschekontrolle, Transaktionsfinalität und der Verteilung von Entscheidungsrechten beantwortet werden.

Die BIS betont selbst die Bedeutung klarer Governance und internationaler Zusammenarbeit. Das ist entscheidend, denn die Technologie entscheidet nicht, welche Ordnung legitim ist. Diese Entscheidung bleibt eine politische und rechtliche Aufgabe.

Der vielleicht wichtigste Konflikt der kommenden Jahre wird deshalb nicht zwischen Bargeld und digitalem Geld verlaufen. Er wird zwischen unterschiedlichen Vorstellungen darüber verlaufen, wer die Regeln digitaler Geldinfrastrukturen bestimmen darf.

Die Rechtsstellung: Eine Konstruktion, die ihresgleichen sucht

Die BIS besitzt einen außergewöhnlichen Rechtsstatus. Ihre Grundlage bilden internationale Vereinbarungen aus dem Jahr 1930, ihre Gründungsurkunde und Statuten, ein Immunitätsprotokoll von 1936 sowie das Sitzabkommen mit der Schweiz von 1987.

Der Schweizer Bundesrat erkennt ihre internationale Rechtspersönlichkeit ausdrücklich an und garantiert ihr die für eine internationale Organisation vorgesehene Handlungsautonomie. Die Gebäude und Archive der Bank genießen weitreichende Unverletzlichkeit, und die BIS übt auf ihrem Gelände selbst Aufsichts und Polizeigewalt aus.

Auch Vermögenswerte und bestimmte Transaktionen genießen besonderen rechtlichen Schutz. Die Bank ist von zahlreichen direkten Steuern befreit, und für leitende Funktionsträger sowie Mitglieder ihrer Organe bestehen funktionale Privilegien und Immunitäten.

Das bedeutet allerdings nicht, dass in Basel ein rechtsfreier Raum existiert. Das Sitzabkommen enthält Ausnahmen, Möglichkeiten zum Verzicht auf Immunität und Verpflichtungen zur Zusammenarbeit mit den Schweizer Behörden. Die Privilegien werden ausdrücklich damit begründet, die unabhängige Erfüllung der Funktionen der Bank sicherzustellen, nicht persönliche Vorteile ihrer Mitarbeiter zu schaffen.

Diese Differenzierung ist entscheidend. Die BIS steht nicht einfach über dem Recht, sie operiert innerhalb eines besonderen völkerrechtlichen Rechtsrahmens.

Eine fast unbekannte Besonderheit: Früher konnten Privatpersonen BIS Aktionäre sein

Heute befinden sich BIS Aktien im institutionellen Bereich der Zentralbanken. Das war nicht immer so.

Bis 2001 existierten private Aktionäre der BIS. Insgesamt befanden sich damals 72.648 Aktien in privater Hand, die aus amerikanischen, belgischen und französischen Emissionen stammten und teilweise an Börsen gehandelt wurden.

Im Januar 2001 beschloss eine außerordentliche Generalversammlung, den Aktienbesitz künftig auf Zentralbanken zu beschränken. Die privaten Aktien wurden zwangsweise zurückgekauft, zunächst zu einer festgesetzten Entschädigung von 16.000 Schweizer Franken pro Aktie.

Damit war die Geschichte noch nicht beendet. Drei ehemalige Aktionäre fochten die Höhe der Entschädigung vor dem nach den Haager Vereinbarungen zuständigen Schiedsgericht an. Das Tribunal bestätigte zwar die Rechtmäßigkeit des Zwangsrückkaufs, sprach den ehemaligen Aktionären später jedoch eine höhere Entschädigung zu.

Diese Episode ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Sie zeigt erstens, dass die BIS trotz ihres völkerrechtlichen Charakters historisch auch private Anteilseigner hatte, und zweitens, dass selbst Streitigkeiten über ihre Eigentumsstruktur einem besonderen internationalen Streitbeilegungssystem unterlagen.

Kann sich eine Privatperson an die BIS wenden?

Ja. Eine Privatperson kann die BIS kontaktieren, Fragen stellen, Hinweise übermitteln oder sich mit bestimmten Anliegen an zuständige Stellen der Institution wenden. Die Bank veröffentlicht allgemeine Kontaktmöglichkeiten und unterhält Kommunikationskanäle für Öffentlichkeit und Medien.

Was eine Privatperson nicht kann, ist dort ein gewöhnliches Bankkonto eröffnen. Die BIS akzeptiert grundsätzlich keine Einlagen von Privatpersonen und bietet ihnen weder Bankdienstleistungen noch Anlageberatung an. Auch Unternehmen gehören nicht zum normalen Kundenkreis.

Ebenso wenig ist die BIS eine internationale Beschwerdestelle gegen die eigene Hausbank. Wer ein Problem mit einer Geschäftsbank, einer Kreditentscheidung oder einem nationalen Zahlungssystem hat, muss grundsätzlich die dafür zuständigen nationalen Behörden, Gerichte, Ombudsstellen oder Aufsichtsorgane nutzen.

Trotzdem gibt es einen weniger bekannten Zugang, der durchaus relevant sein kann.

Wie Bürger tatsächlich Einfluss nehmen können

Verschiedene in Basel angesiedelte Gremien veröffentlichen Konsultationspapiere, bevor internationale Standards oder Leitlinien finalisiert werden. Bei solchen öffentlichen Konsultationen können Stellungnahmen von interessierten Stakeholdern eingereicht werden. Je nach Verfahren können diese Beiträge später veröffentlicht werden oder auf Wunsch vertraulich behandelt werden.

Das ist kein Stimmrecht und kein Anspruch darauf, dass eine Forderung übernommen wird. Eine fachlich begründete Stellungnahme kann jedoch Bestandteil eines formellen Konsultationsprozesses werden und damit jene Experten erreichen, die internationale Standards entwickeln.

Für Privatpersonen ist das wahrscheinlich der interessanteste reale Hebel. Nicht weil ein einzelner Bürger die BIS zu einer Entscheidung zwingen könnte, sondern weil bestimmte Normbildungsprozesse ausdrücklich für Stellungnahmen von außen geöffnet werden.

Wer diesen Zugang nutzen will, muss allerdings anders argumentieren als in einer politischen Petition. Wirkung entsteht dort vor allem durch präzise Sachargumente, belastbare Daten, nachvollziehbare rechtliche Einwände und konkrete Folgenabschätzungen.

Eine weitere Überraschung: Die BIS ist kleiner als ihre Wirkung vermuten lässt

Die globale Bedeutung der Bank verleitet leicht zu falschen Vorstellungen. Basel beherbergt keine gigantische Weltregierung des Geldes und keine zentrale Kommandostelle, von der sämtliche Banken des Planeten gesteuert werden.

Der Einfluss der BIS entsteht vielmehr durch Vernetzung. Sie verbindet Zentralbanken, Aufseher, Forschung, Statistik, Reserveverwaltung, regulatorische Gremien und zunehmend technologische Entwicklungsprojekte. Dadurch sitzt sie an mehreren strategischen Schnittstellen zugleich.

Diese Form von Macht ist schwieriger zu erkennen als die klassische Macht eines Staates. Sie beruht nicht primär auf Zwang, sondern auf Expertise, Standardsetzung, institutionellem Vertrauen, Information und Koordination.

Gerade deshalb sollte sie journalistisch weder mystifiziert noch unterschätzt werden.

Wie Basel unser tägliches Leben tatsächlich berührt

Die BIS entscheidet nicht, ob jemand einen bestimmten Kredit erhält oder wie hoch der Dispozins eines Kontos ist. Trotzdem können internationale Regeln, Forschungen und technischen Standards aus dem Basler Umfeld lange Wirkungsketten auslösen.

Kapitalanforderungen beeinflussen die Geschäftsmodelle von Banken. Liquiditätsregeln beeinflussen deren Risikoverhalten, Zahlungsstandards beeinflussen internationale Überweisungen, Finanzmarktinfrastrukturen bestimmen Geschwindigkeit und Sicherheit von Transaktionen, und die Architektur digitalen Zentralbankgeldes könnte künftig festlegen, wie neue Formen von Geld technisch funktionieren.

Die Wirkung auf den einzelnen Menschen bleibt deshalb meist indirekt. Sie kann aber bei Kreditzinsen, Bankstabilität, Zahlungsverkehr, Altersvorsorge, Unternehmensfinanzierung, internationalen Überweisungen und möglicherweise künftig beim digitalen Geld sichtbar werden.

Zu behaupten, die BIS kontrolliere das Leben jedes Menschen auf der Erde, wäre journalistisch nicht haltbar. Zu behaupten, ihre Arbeit gehe gewöhnliche Bürger nichts an, wäre allerdings ebenso falsch.

Die größere Machtfrage liegt vor der Entscheidung

Demokratische Öffentlichkeit konzentriert sich gewöhnlich auf jene Momente, in denen eine Regel beschlossen wird. In hochkomplexen Finanzsystemen entsteht ein erheblicher Teil der Richtung jedoch früher: wenn Risiken definiert, Kennzahlen entwickelt, technische Standards entworfen und internationale Kompromisse vorbereitet werden.

Genau dort arbeitet die BIS gemeinsam mit den von ihr unterstützten Gremien. Sie besitzt damit etwas, das in modernen Systemen oft wertvoller ist als formelle Befehlsgewalt: die Fähigkeit, den Rahmen einer Diskussion mitzugestalten.

Das bedeutet nicht, dass alle Vorschläge aus Basel automatisch umgesetzt werden. Staaten, Zentralbanken, Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden behalten eigene Kompetenzen und Interessen.

Aber wer internationale Standards setzt, schafft Ausgangspunkte. Und Ausgangspunkte können politische Entscheidungen über Jahre prägen.

Die Zukunft der BIS: Von der Bank der Zentralbanken zum Architekten der Infrastruktur?

Die BIS steht heute möglicherweise vor einer Transformation, die langfristig so bedeutend werden könnte wie ihre Abkehr von der Reparationsverwaltung in den 1930er Jahren. Ihre klassische Rolle als Forum für Zentralbanken bleibt bestehen, doch mit dem Innovation Hub ist eine neue technische Dimension hinzugekommen.

Dort werden nicht bloß Papiere über die Digitalisierung veröffentlicht. Es entstehen Prototypen, Versuchssysteme und internationale Kooperationen rund um digitale Zentralbankwährungen, Tokenisierung, Zahlungsverkehr, Regulierungstechnologie, Cyberresilienz und Finanzmarktinfrastruktur.

Die entscheidende Entwicklung könnte darin bestehen, dass die BIS künftig weniger durch einzelne regulatorische Standards auffällt und stärker durch technische Konzepte, auf denen andere Institutionen aufbauen. Wer die Architektur einer Infrastruktur mitentwickelt, beeinflusst ihre Möglichkeiten lange bevor Milliarden Menschen sie benutzen.

Genau deshalb verdient dieser Bereich öffentliche Aufmerksamkeit. Technische Effizienz allein beantwortet noch keine Fragen nach Datenschutz, politischer Kontrolle, Zugangsrechten und monetärer Souveränität.

Keine Weltzentralbank und dennoch ein globales Machtzentrum

Die BIS wird gelegentlich als Zentralbank der Zentralbanken bezeichnet. Die Formulierung ist eingängig, aber missverständlich. Eine echte Weltzentralbank müsste über eine Weltwährung, ein globales geldpolitisches Mandat und entsprechende hoheitliche Kompetenzen verfügen.

Nichts davon besitzt die BIS. Nationale Zentralbanken und Währungsräume bleiben für ihre Geldpolitik verantwortlich.

Dennoch beschreibt die populäre Bezeichnung etwas Reales. Die BIS ist die Bank, bei der Zentralbanken Bankgeschäfte tätigen, die Institution, bei der ihre Führungskräfte regelmäßig zusammentreffen, ein Zentrum monetärer Forschung und der Standort einflussreicher internationaler Standardsetzung.

Die präzisere Beschreibung lautet deshalb: Basel ist keine Kommandozentrale des Weltgeldes, aber eines seiner bedeutendsten Koordinationszentren.

Der vielleicht größte Irrtum über Macht

Macht wird häufig dort vermutet, wo jemand einen Befehl erteilen kann. Moderne Finanzsysteme zeigen jedoch eine zweite Form von Macht: bestimmen zu können, welche Standards als vernünftig gelten, welche Risiken gemessen werden, welche technischen Systeme miteinander kompatibel sind und welche Lösungsmodelle auf den Tischen der Entscheidungsträger liegen.

Die BIS beherrscht diese zweite Form außergewöhnlich gut. Ihr Einfluss entsteht aus Kontinuität, Vertrauen, Fachwissen, Daten und dem direkten Zugang zu Zentralbanken.

Das macht sie weder allmächtig noch unproblematisch. Gerade weil ein beträchtlicher Teil ihrer Arbeit außerhalb der alltäglichen politischen Öffentlichkeit stattfindet, müssen Transparenz, Rechenschaft und klare Grenzen institutioneller Zuständigkeit immer wieder eingefordert werden.

Basel und die nächste Ordnung des Geldes

Als die BIS 1930 ihre Arbeit aufnahm, sollte sie ein Problem verwalten, das aus dem Ersten Weltkrieg stammte. Wenige Jahre später existierte dieses Reparationssystem praktisch nicht mehr. Die Bank aber hatte bereits eine neue Funktion gefunden.

1944 sollte sie abgeschafft werden. Sie überlebte erneut und wurde anschließend Teil des Wiederaufbaus der europäischen Finanzordnung. Jahrzehnte später entstand in ihrem Umfeld ein Regelwerk, das die internationale Bankenaufsicht bis heute prägt.

Während der globalen Finanzkrisen rückte Stabilität ins Zentrum. Während der Covid-Pandemie wurde die Bedeutung koordinierter Zentralbankreaktionen erneut sichtbar. Heute arbeitet Basel an Fragen, die noch grundlegender sind: Was ist Geld in einer digitalen Ökonomie, auf welcher Infrastruktur bewegt es sich, wie können Vermögenswerte programmiert werden, und welche Institution garantiert am Ende das Vertrauen?

Vielleicht liegt darin die größte Überraschung dieser fast hundertjährigen Geschichte. Die BIS besitzt keine Weltregierung, keine Armee und keine globale Gesetzgebungskompetenz. Sie braucht all das nicht, um relevant zu sein.

Ihre eigentliche Stärke liegt darin, immer wieder an jenem Punkt zu sitzen, an dem ein altes Finanzsystem seine Grenzen erreicht und ein neues erst entworfen wird.

Wer wissen möchte, wie das Geldsystem der kommenden Jahrzehnte aussehen könnte, sollte deshalb nicht nur verfolgen, was Parlamente, Finanzminister und Zentralbanken öffentlich beschließen. Er sollte auch beobachten, was in Basel entwickelt, getestet und zwischen den Zentralbanken vorbereitet wird.

Denn die Macht von Basel besteht nicht darin, die Welt offen zu regieren. Sie besteht darin, an ihrer finanziellen Architektur mitzuschreiben.


Die Macht von Basel: Wie die BIS das globale Finanzsystem prägt. Von deutschen Reparationen über Basel III und die Covid-Krise bis zu digitalen Währungen: Wie die BIS in Basel entstand, wer sie kontrolliert und weshalb ihr Einfluss auf das globale Finanzsystem weiter wächst.

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