Österreichs Glücksspiel: Wer steckt wirklich hinter Lotto, Casinos und win2day?

Veröffentlicht am 23. August 2026 um 08:16

Rubrik: Wirtschaft
Format: Spezialbericht
Autor: Sinisa Brkic (sb) / Redaktion
Stand: 23. August 2026

Lotto, EuroMillionen, Casinos Austria und win2day wirken wie österreichische Institutionen. Doch wer der Eigentümerspur folgt, landet über Wien und Luzern schließlich bei einem internationalen Glücksspielkonzern, der KKCG Gruppe und einer Stiftung in Liechtenstein. Gleichzeitig hält die Republik Österreich weiter ein gewichtiges Aktienpaket und bereitet jene Neuordnung vor, die ab 2027 darüber entscheiden soll, wer künftig am milliardenschweren Glücksspielmarkt verdienen darf.

Österreichische Marken, internationale Kontrolle

Wer in Österreich einen Lottoschein ausfüllt, EuroMillionen spielt, ein Casino Austria besucht oder auf win2day einsteigt, begegnet Marken, die über Jahrzehnte tief im Land verankert wurden. Das Vertriebsnetz reicht in Tausende Trafiken und Annahmestellen, Casinos Austria ist seit Generationen Teil der österreichischen Unternehmenslandschaft, und die Österreichischen Lotterien präsentieren sich mit gutem Grund als heimischer Konzern mit erheblicher Bedeutung für Steueraufkommen, Sportförderung und Beschäftigung.

Die Eigentümerfrage erzählt allerdings eine andere Geschichte. Casinos Austria wird heute mehrheitlich von Allwyn kontrolliert, einem internationalen Glücksspielkonzern mit Sitz in der Schweiz. Die Republik Österreich ist über die ÖBAG zwar weiterhin ein bedeutender Minderheitsaktionär, die Mehrheit besitzt sie jedoch nicht.

Damit fällt bereits die erste verbreitete Vorstellung in sich zusammen. Casinos Austria und die Österreichischen Lotterien sind keine klassischen Staatsunternehmen. Österreich sitzt mit am Tisch, doch die private Mehrheit liegt bei einem internationalen Konzernverbund.



Casinos Austria: 59,7 Prozent Allwyn, 33,24 Prozent Republik

Die Eigentümerstruktur der Casinos Austria AG ist klarer, als es ihre öffentliche Wahrnehmung vermuten lässt. Zwei österreichische Allwyn Gesellschaften halten gemeinsam 59,696 Prozent der Aktien. Die Österreichische Beteiligungs AG, ÖBAG, hält 33,238 Prozent und verwaltet diesen Anteil für die Republik Österreich.

Weitere 4,926 Prozent entfallen auf die Privatstiftung Dipl. Ing. Melchart, 1 Prozent auf die GBG Beteiligungen GmbH, 0,980 Prozent auf die Hotel Sacher Eduard Sacher GmbH und 0,160 Prozent auf sonstige Aktionäre. Die entscheidende Zahl bleibt jedoch 59,696 Prozent: Allwyn verfügt über die Mehrheit.

Österreich hält damit einen politisch und wirtschaftlich relevanten Anteil, aber keine Mehrheit. Wer Casinos Austria pauschal als österreichisches Staatsunternehmen bezeichnet, beschreibt die tatsächliche Eigentümerlage daher falsch. Die wirtschaftliche Dimension ist erheblich. Die ÖBAG bezifferte den Wert ihres Casinos Austria Anteils zuletzt mit 649 Millionen Euro. Für 2024 wurden für die Gruppe 1,592 Milliarden Euro Umsatz und 248 Millionen Euro EBIT ausgewiesen, der Dividendenanteil der Republik lag bei 49 Millionen Euro.

Österreichische Lotterien: Die nächste Ebene des Geflechts

Bei den Österreichischen Lotterien wird die Struktur komplizierter. 73,81 Prozent werden von der ÖLG Holding gehalten, die vollständig zu Casinos Austria gehört. Weitere 0,02 Prozent liegen direkt bei Casinos Austria, während 26,17 Prozent über die Lotto Toto Holding gehalten werden.

Damit kontrolliert Casinos Austria direkt und indirekt knapp 74 Prozent der Österreichischen Lotterien. Weil Allwyn wiederum die Mehrheit an Casinos Austria hält und zusätzlich innerhalb der übrigen Beteiligungsstruktur wirtschaftlich engagiert ist, weist Allwyn selbst für Ende 2025 ein wirtschaftliches Interesse von 53,52 Prozent an der Österreichische Lotterien Gruppe aus.

Das ist die Zahl, die für die Eigentümerfrage entscheidend ist. Allwyn ist nicht irgendein ausländischer Minderheitsinvestor neben dem österreichischen Staat. Der Konzern verfügt wirtschaftlich über die Mehrheit hinter dem Unternehmen, das Lotto, EuroMillionen, Rubbellose und wesentliche Teile des österreichischen Online Glücksspiels betreibt.

Selbst der ORF sitzt in der Eigentümerkette

Die restlichen Anteile führen über die Lotto Toto Holding zu einer historisch gewachsenen Konstruktion. An dieser Holding sind die CLS Beteiligungs GmbH, die LTB Beteiligungs GmbH und die RSV Beteiligungs GmbH mit jeweils rund 27,08 Prozent sowie der Österreichische Rundfunk mit 18,75 Prozent beteiligt.

Hinter diesen Gesellschaften finden sich wiederum Allwyn, Novomatic und weitere österreichische Beteiligte. Novomatic kommt über diese Struktur auf einen erheblichen indirekten Anteil an den Österreichischen Lotterien, während der ORF über seine 18,75 Prozent an der Lotto Toto Holding rechnerisch an knapp fünf Prozent der Lotterien beteiligt ist. Auch hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig. Der ORF ist eine Stiftung öffentlichen Rechts, sein Anteil kann nicht einfach dem direkten Eigentum der Republik zugerechnet werden. Die Konstruktion zeigt vielmehr, wie historisch verschachtelt die Eigentümerbasis der Österreichischen Lotterien geblieben ist, obwohl sich die Machtverhältnisse an der Spitze längst verändert haben.

Allwyn: Aus Sazka wurde ein globaler Glücksspielkonzern

Wer verstehen will, wem Österreichs Glücksspiel heute wirtschaftlich zuzurechnen ist, muss Allwyn verstehen. Der Konzern hat seine Wurzeln in der tschechischen Lotteriegesellschaft Sazka, ist mit dieser nationalen Herkunft jedoch längst nicht mehr angemessen beschrieben.

KKCG übernahm Sazka vollständig und formte daraus Schritt für Schritt einen internationalen Glücksspielkonzern. Aus der Sazka Group wurde Allwyn. In Österreich begann der Einstieg bei Casinos Austria zunächst mit einer Minderheitsbeteiligung, die in mehreren Schritten ausgebaut wurde, bis Allwyn 2021 auf rund 59,7 Prozent kam.

Parallel expandierte der Konzern international. Allwyn betreibt heute unter anderem die britische National Lottery, ist in mehreren europäischen Lotteriemärkten engagiert, besitzt Technologie und Gaming Beteiligungen und hat sein Geschäft weit über das traditionelle Ziehungslotterie Modell hinaus erweitert. Für 2025 meldete Allwyn International einen Nettoumsatz von rund 4,1 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBITDA von rund 1,6 Milliarden Euro. Das Unternehmen, das in Österreich hinter Lotto und Casinos steht, ist damit Teil eines Konzerns von einer Größenordnung, die mit dem Bild eines gewöhnlichen nationalen Lotteriebetreibers kaum noch etwas zu tun hat.

Seit 2026 ist Allwyn selbst noch größer

Im März 2026 wurde die bereits zuvor angekündigte Verbindung von Allwyn und dem griechischen Glücksspielkonzern OPAP vollzogen. Daraus entstand eine börsennotierte Allwyn AG, deren Aktien an der Athener Börse gehandelt werden und die sich nach dem Zusammenschluss als zweitgrößten börsennotierten Lotterie und Gaming Betreiber der Welt bezeichnet.

Nur wenige Wochen später folgte ein weiterer bemerkenswerter Schritt. Am 29. Mai 2026 wurde der gesellschaftsrechtliche Sitz der Allwyn AG von Luxemburg in die Schweiz verlegt. Allwyn International hatte seinen Sitz bereits 2024 nach Luzern transferiert.

Damit führt die österreichische Eigentümerspur heute sehr konkret in die Schweiz. Nicht nur irgendeine Zwischengesellschaft sitzt dort. Sowohl die zentrale Allwyn Struktur als auch wesentliche Gesellschaften der darüberliegenden KKCG Gruppe sind in Luzern angesiedelt.

79 Prozent: Hinter Allwyn steht KKCG

Allwyn ist zwar börsennotiert, aber keineswegs ein Konzern ohne dominierenden Eigentümer. Nach der von Allwyn veröffentlichten Aktionärsstruktur vom 14. August 2026 werden rund 79 Prozent der ausstehenden Aktien indirekt von der KKCG Group AG gehalten. Rund 21 Prozent befinden sich im Streubesitz. Damit führt die nächste Ebene von Allwyn unmittelbar zu KKCG. Wer verstehen will, wer hinter der Mehrheit an Casinos Austria steht, kann bei Allwyn daher nicht aufhören.

KKCG beschreibt sich als internationale Investment und Innovationsgruppe mit Aktivitäten in mehr als 40 Ländern und Beteiligungen an Hunderten Unternehmen. Die Interessen reichen von Glücksspiel über Energie und Technologie bis zu Immobilien und weiteren Investments. Im Zentrum der Geschichte steht ihr Gründer und Vorsitzender Karel Komárek.

Karel Komárek: Vom Energiegeschäft zum Glücksspiel

Komárek begann seine unternehmerische Laufbahn Anfang der 1990er Jahre in Tschechien. Früh verlagerte sich ein Schwerpunkt auf Energie, Öl und Gas, später kamen Lotterien, Technologie und Immobilien hinzu. Mit der vollständigen Übernahme von Sazka entstand die Grundlage für jenes Glücksspielgeschäft, das heute unter Allwyn international auftritt.

Komárek ist damit nicht lediglich ein Investor, der zufällig Anteile an einem österreichischen Glücksspielunternehmen hält. Unter seiner Führung wurde aus einem tschechischen Lotteriegeschäft eine internationale Unternehmensgruppe, die heute in bedeutenden regulierten Märkten aktiv ist und in Österreich die Mehrheit hinter Casinos Austria hält. Seine Rolle bleibt auch nach dem Börsengang von Allwyn zentral. Komárek ist Gründer und Vorsitzender von KKCG und führt zugleich den Verwaltungsrat von Allwyn. Die operative Expansion des Glücksspielgeschäfts und die Eigentümerstruktur der Gruppe sind deshalb eng miteinander verbunden.

Die Schweizer Gesellschaft ist kein Nebenschauplatz

Die von außen oft schwer erkennbare Schweizer Ebene lässt sich inzwischen recht präzise rekonstruieren. In Luzern sitzen die KKCG Group AG und die KKCG Holding AG. Auch Allwyn AG und Allwyn International AG haben dort ihren gesellschaftsrechtlichen Sitz. Über diesen Gesellschaften führt die Beteiligungskette weiter nach Liechtenstein. Eine regulatorische Beteiligungsmeldung aus dem Mai 2026 nennt die Valea Holding AG in Ruggell und darüber die Valea Foundation mit Sitz in Schaan.

Damit ergibt sich eine bemerkenswerte Kette: Von den österreichischen Glücksspielunternehmen führt sie über Allwyn nach Luzern, von dort über KKCG weiter zu einer liechtensteinischen Holding und schließlich zu einer Stiftung in Schaan. Das ist weder illegal noch für internationale Unternehmensgruppen grundsätzlich ungewöhnlich, es ist aber für die Frage nach der tatsächlichen Eigentümerarchitektur von zentraler Bedeutung.



Valea Foundation: Hier endet die gesellschaftsrechtliche Kette

Besonders sorgfältig muss die Rolle der Valea Foundation beschrieben werden. In einer freiwilligen regulatorischen Meldung wurde sie 2026 als oberste kontrollierende Einheit der darunterliegenden Gesellschaftskette ausgewiesen. Über Valea Holding, KKCG Holding und KKCG Group führt ihre Beteiligungsstruktur bis zu Allwyn.

Karel Komárek wird in derselben Meldung ausdrücklich als alleiniger Begünstigter der Valea Foundation bezeichnet. Gleichzeitig hält die Stiftung ebenso ausdrücklich fest, dass sie keine Aktionäre habe, von keiner Person kontrolliert werde und ihr Stiftungsrat die Stimmrechte ohne Weisungen des Begünstigten ausübe.

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Die Aussage, die Stiftung gehöre Komárek oder werde von ihm juristisch kontrolliert, wäre zu grob. Belastbar ist hingegen: Komárek ist alleiniger Begünstigter der Stiftung, während die offengelegte gesellschaftsrechtliche Kontrolle nach Darstellung der Stiftung beim unabhängigen Stiftungsrat liegt.

Gerade an dieser Stelle zeigt sich, warum die einfache Frage „Wem gehört Allwyn?“ keine einfache Antwort zulässt. Wirtschaftlicher Einfluss, Begünstigtenstellung, Aktienbesitz und rechtliche Kontrolle sind nicht automatisch dasselbe.

Die Republik Österreich sitzt mit am Tisch, aber nicht an der Spitze

Auf österreichischer Seite bleibt die ÖBAG von erheblicher Bedeutung. Sie gehört vollständig der Republik und hält 33,238 Prozent an Casinos Austria. Damit besitzt der Staat eine starke Minderheitsposition in einer Unternehmensgruppe, deren Mehrheit bei Allwyn liegt. Das führt zu einer besonderen institutionellen Konstellation. Die Republik ist wirtschaftlich über die ÖBAG beteiligt, profitiert über Dividenden, Steuern und Abgaben von der Branche und gestaltet gleichzeitig die gesetzlichen Regeln, nach denen Konzessionen vergeben und Glücksspielanbieter beaufsichtigt werden.

Diese Mehrfachrolle ist nicht automatisch ein Interessenkonflikt. Sie erhöht allerdings den Anspruch an Transparenz und Nachvollziehbarkeit jedes neuen Konzessionsverfahrens erheblich. Gerade dort, wo ein staatlicher Minderheitsaktionär auf einen privaten Mehrheitsaktionär trifft und derselbe Staat über den regulatorischen Rahmen des Marktes entscheidet, darf kein Raum für Zweifel am Verfahren entstehen.

Ein Geschäft, das dem Staat enorme Einnahmen bringt

Die Österreichischen Lotterien sind für den Staat nicht irgendein privates Unternehmen. Nach eigenen Angaben leistete die Gesellschaft allein 2025 insgesamt 706,9 Millionen Euro an Steuern, Abgaben und Beiträgen an den österreichischen Staat. Gleichzeitig meldete das Unternehmen für dieses Jahr den höchsten Gewinn seiner Geschichte.

Das Vertriebsnetz umfasst mehr als 5.000 Annahmestellen. Für win2day weist das Unternehmen rund 1,2 Millionen registrierte Nutzer aus. Wer die nächste Konzession erhält, übernimmt deshalb nicht bloß das Recht, einige Ziehungen zu organisieren, sondern ein über Jahrzehnte aufgebautes Vertriebs, Daten, Technologie und Markenökosystem mit außergewöhnlicher Reichweite.

Genau deshalb ist die bevorstehende Neuvergabe wirtschaftlich so bedeutend. Hier geht es nicht nur um Lottozahlen. Es geht um Zugang zu einem regulierten Massenmarkt, etablierte Kundenbeziehungen, eine landesweite Infrastruktur und ein Geschäft, das jedes Jahr erhebliche Geldströme zwischen Spielern, Unternehmen und Staat bewegt.

win2day: Das bisherige Online Monopol wird aufgebrochen

Heute besitzt die Österreichische Lotterien GmbH noch die bundesrechtliche Konzession für elektronische Lotterien und betreibt auf dieser Grundlage win2day. Die geltende Konzession umfasst neben klassischen Lotteriespielen auch das derzeit konzessionierte Online Glücksspiel und läuft nach bestehendem Recht am 30. September 2027 aus.

Genau diese Konstruktion will die Bundesregierung grundlegend verändern. Künftig sollen klassische Lotterien und das übrige Online Glücksspiel konzessionsrechtlich getrennt werden.

Für Lotto, EuroMillionen und andere ausdrücklich bestimmte Lotterien soll weiterhin genau eine Konzession vergeben werden. Der Gewinner dieser Konzession darf diese Lotteriespiele auch elektronisch anbieten. Das übrige Online Glücksspiel soll dagegen für eine grundsätzlich unbeschränkte Zahl konzessionierter Anbieter geöffnet werden.

Für win2day bedeutet das eine Zäsur. Die Marke kann weiterbestehen, doch der bisherige regulatorische Schutz eines alleinigen konzessionierten Online Angebots würde in wesentlichen Bereichen fallen. Allwyn und die Österreichischen Lotterien müssten sich dort erstmals einem regulierten Wettbewerb mit internationalen Anbietern stellen.

2027: Der österreichische Glücksspielmarkt wird neu geschrieben

Hier beginnt der politisch und wirtschaftlich wichtigste Teil der Geschichte. Die gegenwärtige Lotteriekonzession der Österreichischen Lotterien ist bis 30. September 2027 erteilt. Gleichzeitig liegt seit August 2026 eine umfassende Regierungsvorlage zur Änderung des Glücksspielgesetzes im Parlament.

Diese Vorlage ist für die weitere Entwicklung entscheidend, aber noch nicht mit endgültig geltendem Recht gleichzusetzen. Teile der Novelle wurden zudem auf europäischer Ebene notifiziert, wobei die entsprechende Stillhaltefrist der Europäischen Kommission bis 5. November 2026 läuft. Bis zur endgültigen Beschlussfassung und Kundmachung können sich Bestimmungen daher noch verändern. Die Reform ist dennoch weit genug fortgeschritten, um die Richtung klar erkennen zu lassen. Österreich bereitet keinen kosmetischen Umbau vor, sondern eine Neuordnung des Marktes.

Die neue Lotteriekonzession: Ein Recht für bis zu 15 Jahre

Für die klassischen Lotterien sieht die Regierungsvorlage weiterhin genau eine Konzession vor. Vor deren Erteilung muss eine öffentliche Interessentensuche stattfinden, die den Grundsätzen der Transparenz und Nichtdiskriminierung entspricht.

Umgangssprachlich wird dabei von der neuen Ausschreibung gesprochen. Juristisch handelt es sich um ein Konzessionserteilungsverfahren mit öffentlicher Interessentensuche. Dieser Unterschied klingt formal, ist aber relevant, weil das Glücksspielgesetz eigene Verfahrensregeln vorsieht.

Die neue Konzession kann für höchstens 15 Jahre vergeben werden. Bewerber müssen unter anderem über ein eingezahltes Stamm oder Grundkapital von mindestens 100 Millionen Euro verfügen und weitere umfangreiche Anforderungen an Zuverlässigkeit, Aufsicht, Finanzierung und Betrieb erfüllen.

Auch der Preis des Eintritts ist bemerkenswert. Die Regierungsvorlage sieht eine Antragsgebühr von 70.000 Euro vor. Für die tatsächliche Erteilung der klassischen Lotteriekonzession sollen weitere 40 Millionen Euro fällig werden. Damit wird schon auf gesetzlicher Ebene deutlich, welche Größenordnung der Staat diesem Recht beimisst. Wer die Konzession gewinnt, erhält Zugang zu einem hochprofitablen und langfristig geschützten Markt, muss dafür aber erhebliche regulatorische und finanzielle Voraussetzungen erfüllen.

Die Überraschung: Die bestehende Konzession soll bis Ende 2028 weiterlaufen

Wer bisher davon ausgeht, dass am 30. September 2027 automatisch ein neuer Lotteriebetreiber übernimmt, übersieht eine entscheidende Passage der Regierungsvorlage. Die derzeitige Konzession soll im Bereich der bestehenden Lotterien gesetzlich bis 31. Dezember 2028 verlängert werden.

Die Regierung begründet dies mit einem geordneten Übergang und der Vermeidung eines regulatorischen Vakuums. Das bestehende Angebot soll nicht plötzlich enden, nur weil das neue Konzessionsverfahren noch nicht abgeschlossen ist.

Damit wird 2027 zwar zum Schlüsseljahr der Neuordnung, aber nicht zwingend zum Jahr des Betreiberwechsels bei Lotto. Wenn die Vorlage in dieser Form Gesetz wird, erhalten die Österreichischen Lotterien für den klassischen Lotteriebereich zusätzliche Übergangszeit.

Noch weiter gehen die vorgesehenen Fortführungsbestimmungen. Wenn eine Konzession ersatzlos auszulaufen droht, nachträglich wegfällt oder Rechtsmittel gegen eine Neuvergabe anhängig sind, kann der bisherige Betreiber unter bestimmten Voraussetzungen für bis zu 24 Monate zum Weiterbetrieb berechtigt werden.

Das ist regulatorisch nachvollziehbar, politisch aber hochsensibel. Übergangsschutz darf nicht den Eindruck erzeugen, aus einem zeitlich begrenzten Konzessionsrecht werde durch Verfahrensdauer faktisch ein Daueranspruch. Genau deshalb werden Transparenz, Zeitplan und Begründung der kommenden Vergabe entscheidend sein.

Für das Online Glücksspiel beginnt die neue Ära schon früher

Beim Online Glücksspiel sieht der Zeitplan anders aus. Nach der Regierungsvorlage können neue Konzessionen bereits ab 1. Jänner 2027 erteilt werden, mit einer Geltung ab 1. Oktober 2027. Anders als bei der klassischen Lotterie soll es hier keine zahlenmäßige Obergrenze der Konzessionen geben. Jeder Bewerber, der die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt und eine Konzession erhält, könnte in den regulierten österreichischen Markt eintreten.

Eine erstmalige Online Konzession soll höchstens fünf Jahre gelten, spätere Erteilungen können bis zu zehn Jahre umfassen. Als Kapitalvoraussetzung sind mindestens zehn Millionen Euro vorgesehen, für die erstmalige Konzession soll eine Erteilungsgebühr von 300.000 Euro anfallen. Damit wird aus einem bislang faktisch von win2day dominierten konzessionierten Markt ein Mehranbietermodell. Für Allwyn ist das eine grundlegend andere Wettbewerbssituation.

Die Eintrittskarte für bisher nicht konzessionierte Anbieter hat einen Preis

Die Regierung öffnet den Markt allerdings nicht bedingungslos. Anbieter, die bisher ohne österreichische Konzession Online Glücksspiel für Kunden in Österreich angeboten haben, sollen ab 1. Jänner 2027 ihr Angebot einstellen müssen, wenn sie sich um eine neue Konzession bewerben wollen.

Wer darüber hinaus weiter anbietet, soll mit einer Sperrfrist von zunächst 18 Monaten rechnen, ab 2030 mit 24 Monaten. Zusätzlich verlangt die Vorlage die Begleichung noch offener Glücksspielabgaben sowie die Erfüllung rechtskräftig festgestellter Ansprüche von Spielern.

Damit versucht der Gesetzgeber einen schwierigen Spagat. Internationale Betreiber sollen in den legalen Markt geholt werden, ohne jenen einen einfachen Neustart zu ermöglichen, die zuvor außerhalb des österreichischen Konzessionssystems tätig waren. Gleichzeitig sollen Payment Blocking, schwarze Listen und Netzsperren den Druck auf nicht konzessionierte Angebote erhöhen. Österreich öffnet den Markt also auf der einen Seite und will ihn auf der anderen wesentlich härter abschotten.

Die internationalen Konzerne stehen bereits vor der Tür

Obwohl die formelle öffentliche Interessentensuche für die neue Lotteriekonzession nach dem derzeitigen Recherchebestand noch nicht eröffnet ist, hat der Wettbewerb längst begonnen. Internationale Glücksspielgruppen bringen sich seit Monaten sichtbar in Stellung.

Als ernsthafte Interessenten an der klassischen Lotteriekonzession werden insbesondere Brightstar und FDJ United genannt. Auch die maltesische IZI Group wurde im Zusammenhang mit einem möglichen Einstieg genannt. Die Österreichischen Lotterien selbst wollen ihre heutige Stellung verteidigen und haben keinen Zweifel daran gelassen, dass sie auch künftig eine zentrale Rolle spielen wollen.

Für den neuen Online Markt ist das Feld noch breiter. Unternehmen wie Entain, Evoke, Bet at home und Kaizen Gaming haben sich bereits intensiv mit der österreichischen Reform auseinandergesetzt. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Unternehmen bereits formelle Bewerber sind, denn ein entsprechendes Konzessionsverfahren muss erst nach den neuen Regeln durchgeführt werden. Diese Trennung ist wichtig. Interessenten sind noch keine Bewerber, Bewerber noch keine Konzessionäre. Was heute sichtbar wird, ist die Positionierung vor einem Markt, der regulatorisch gerade erst geöffnet wird.



Der Amtsinhaber besitzt einen Vorteil, aber kein Anrecht

Die Österreichischen Lotterien gehen mit einer Ausgangsposition in dieses Rennen, die kein neuer Bewerber kurzfristig kopieren kann. Mehr als 5.000 Vertriebsstellen, jahrzehntelang aufgebaute Marken, bestehende technische Infrastruktur, ein eingespieltes Betriebssystem und Millionen Kundenkontakte schaffen einen massiven faktischen Vorsprung.

Dieser Vorsprung ist wirtschaftlich real, darf aber nicht mit einem rechtlichen Anspruch auf eine neue Konzession verwechselt werden. Das Gesetz verlangt eine transparente und nicht diskriminierende Interessentensuche. Genau daran wird sich die Qualität des Verfahrens messen lassen. Ein etablierter Betreiber darf für seine tatsächliche Erfahrung und Infrastruktur Punkte sammeln. Die Regeln dürfen aber nicht so gestaltet oder angewendet werden, dass nur der bisherige Betreiber sie praktisch erfüllen kann.

Die Casinos kommen ebenfalls neu auf den Tisch

Parallel zur Lotteriekonzession steht auch die Zukunft der Casinos Austria zur Neuordnung an. Das Unternehmen betreibt derzeit zwölf österreichische Spielbanken, deren Konzessionen in unterschiedlichen Tranchen auslaufen.

Die Regierungsvorlage sieht künftig insgesamt 13 Spielbankenkonzessionen vor. Eine Vergabe in sachlich begründeten Paketen soll möglich sein, wobei unter anderem regionale Abdeckung, touristisches Potenzial und sozioökonomische Kriterien berücksichtigt werden sollen.

Für sechs bestehende Casinos, deren Konzessionen Ende 2027 auslaufen würden, sieht die Vorlage eine gesetzliche Verlängerung bis Ende 2028 vor. Damit erhält auch das stationäre Casinogeschäft einen Übergangszeitraum. Für Allwyn ist das von enormer Bedeutung. Der Konzern steht über seine Mehrheit an Casinos Austria nicht nur vor der Frage, ob die Österreichischen Lotterien ihre zentrale Konzession verteidigen können. Auch ein wesentlicher Teil des stationären Casinogeschäfts muss für die nächste Periode regulatorisch abgesichert werden.

Eine neue Behörde, die im Finanzamt sitzt

Politisch interessant ist auch die künftige Aufsicht. Die Regierungsvorlage spricht von einer Glücksspielaufsichtsbehörde und sieht zugleich eine neue Stelle für Glücksspiel und Spielerschutz vor.

Wer darunter eine vollkommen neue, außerhalb des Finanzressorts angesiedelte unabhängige Regulierungsbehörde versteht, sollte allerdings genau lesen. Die Regierungsvorlage bestimmt ausdrücklich das Finanzamt Österreich zur Glücksspielaufsichtsbehörde.

Daneben soll beim Finanzministerium eine Stelle für Glücksspiel und Spielerschutz eingerichtet werden, die insbesondere wissenschaftliche und fachliche Aufgaben übernehmen soll. Hinzu kommen ein zentrales Sperrregister, ein anbieterübergreifendes System für Einzahlungslimits und technische Kontrollsysteme für Online Anbieter. Das Reformpaket stärkt damit die Instrumente der Aufsicht erheblich. Institutionell bleibt der zentrale Vollzug jedoch eng mit der österreichischen Finanzverwaltung verbunden.

Die Russland Verbindung aus Komáreks Energiegeschäft

Zu einer vollständigen Darstellung der KKCG Geschichte gehört auch eine Verbindung, die besonders während der Vergabe der britischen National Lottery politische Aufmerksamkeit erhielt. Komáreks Energieunternehmen MND war seit 2013 über Moravia Gas Storage an einem Gemeinschaftsunternehmen mit Gazprom Export beteiligt. Beide Seiten hielten zunächst jeweils 50 Prozent. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine geriet diese Verbindung öffentlich stärker unter Druck, während Komárek selbst erklärte, sich von russischen Geschäftsbeziehungen lösen zu wollen.

Diese Geschichte ist heute allerdings historisch einzuordnen. 2024 übernahm MND die verbleibenden Anteile an Moravia Gas Storage vollständig, Gazprom Export schied als Gesellschafter aus. Wer diese frühere Verbindung erwähnt, muss deshalb ebenso klar sagen, dass daraus nach dem dokumentierten Stand keine heutige Gazprom Beteiligung an diesem Unternehmen mehr abgeleitet werden kann.

Sie bleibt dennoch Teil der Entwicklung von KKCG. Komáreks Unternehmensreich entstand zu erheblichen Teilen im Energiegeschäft, bevor das Lotterie und Glücksspielgeschäft zu einer seiner sichtbarsten internationalen Säulen wurde.

Österreich verkauft nicht sein Glücksspielmonopol, aber es vergibt dessen wirtschaftlichen Wert

Die präziseste Beschreibung der Lage lautet deshalb nicht, Österreich habe sein Glücksspielmonopol an einen ausländischen Milliardär verkauft. Das wäre rechtlich falsch und journalistisch zu grob.

Der Bund behält das Glücksspielmonopol und entscheidet gesetzlich, welche privaten Unternehmen einzelne Rechte daraus mittels Konzession ausüben dürfen. Der wirtschaftliche Betrieb zentraler Bereiche dieses Monopols liegt jedoch heute bei Gesellschaften, deren private Mehrheit letztlich in einen internationalen Konzernverbund führt.

Genau dort liegt die politische Bedeutung der nächsten Vergabe. Der Staat überträgt keine gewöhnliche Gewerbeberechtigung, sondern für viele Jahre ein wirtschaftlich außerordentlich wertvolles Recht innerhalb eines gesetzlich geschützten Marktes.

Wer dieses Recht erhält, verfügt nicht nur über einen Geschäftszweig. Er erhält Zugang zu einer Infrastruktur, deren Wert über Jahrzehnte aufgebaut wurde und deren Erträge eng mit einem staatlich regulierten Markt verbunden sind.

2027 wird zur Machtfrage

Der kommende Wettbewerb entscheidet deshalb über weit mehr als über das Logo auf einem Lottoschein. Er entscheidet darüber, ob Allwyn seine österreichische Stellung für eine weitere lange Periode absichern kann, ob internationale Konkurrenten einen der attraktivsten regulierten Glücksspielmärkte Europas aufbrechen und wie weit die Republik ihre Rolle als Eigentümer, Regulator und Einnahmenempfänger sauber voneinander trennt.

Für Allwyn steht viel auf dem Spiel. Der Konzern besitzt heute die Mehrheit an Casinos Austria, ein wirtschaftliches Mehrheitsinteresse an den Österreichischen Lotterien und damit eine Position, die über Jahre hinweg erheblichen Wert aufgebaut hat. Doch eine auslaufende Konzession ist kein Eigentumsrecht an der Zukunft. Für Österreich gilt deshalb ein ebenso einfacher wie anspruchsvoller Maßstab. Wenn ein Staat für bis zu 15 weitere Jahre ein zentrales Recht innerhalb seines Glücksspielmonopols vergibt, muss am Ende nicht nur feststehen, wer gewonnen hat, sondern warum.

Gerade weil die heutige Eigentümerkette von Wien über Luzern bis nach Liechtenstein reicht und der österreichische Staat zugleich selbst beteiligt ist, darf die nächste Konzessionsvergabe keinen Interpretationsspielraum bei Transparenz und Gleichbehandlung lassen. Die vertrauten Marken können österreichisch bleiben. Wer hinter ihnen wirtschaftlich die Kontrolle ausübt, entscheidet sich längst auf einer wesentlich größeren Bühne.


Österreichs Glücksspiel: Wer hinter Lotto, Casinos und win2day steht. Allwyn, KKCG, Karel Komárek, ÖBAG und die Neuvergabe ab 2027: Wem Lotto, Casinos Austria und win2day tatsächlich gehören und warum Österreichs Glücksspielmarkt vor einem tiefgreifenden Umbau steht.

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