Depot vor dem Neustart: Welche Filialen bleiben?

Veröffentlicht am 28. August 2026 um 10:04

Rubrik: Deutschland
Format: Spezialbericht
Autor: Sinisa Brkic (sb)



Die insolvente GDC Deutschland GmbH stellt ihren Geschäftsbetrieb zum 30. September 2026 ein. Rund 730 Beschäftigte verlieren ihre bisherigen Arbeitsplätze, sämtliche Mietverträge werden gekündigt. Doch Depot soll als Marke weiterleben. Für Kunden entscheidet sich nun, welche Filialen tatsächlich erhalten bleiben und was mit Gutscheinen, Onlinebestellungen und den verbliebenen Standorten geschieht.

Das bisherige Depot endet, die Marke soll bleiben

Für Depot beginnt die entscheidende Phase der zweiten Insolvenz innerhalb kurzer Zeit. Die GDC Deutschland GmbH aus Großostheim stellt ihren Geschäftsbetrieb zum 30. September 2026 ein. Sämtliche Arbeitsverhältnisse und Mietverträge der Gesellschaft werden zu diesem Termin gekündigt. Betroffen sind rund 730 Beschäftigte. Eigentümer Christian Gries begründet den Schritt mit Masseunzulänglichkeit. Das vorhandene Vermögen der insolventen Gesellschaft reicht demnach nicht aus, um sämtliche bestehenden Verpflichtungen zu erfüllen.

Das klingt zunächst nach dem vollständigen Ende der bekannten Dekokette. Tatsächlich ist die Situation komplizierter. Gries will die Marke Depot weiterführen, in eine andere Gesellschaft überführen und das Geschäft mit einer deutlich kleineren Struktur fortsetzen. Genau diese Trennung ist für die weitere Entwicklung entscheidend. Die bisherige Betreibergesellschaft beendet ihren Geschäftsbetrieb. Die Marke Depot soll dagegen nicht verschwinden.



Welche Depot Filialen bleiben, ist noch offen

Für Verbraucher ist inzwischen eine andere Frage wichtiger als die Insolvenz selbst: Welche Filialen werden nach dem 30. September tatsächlich noch existieren? Vor wenigen Jahren betrieb Depot rund 400 Geschäfte. Bereits nach der ersten Insolvenz wurde das Filialnetz erheblich verkleinert. Im Zuge des erneuten Insolvenzverfahrens wurden weitere Schließungen angekündigt. Ende Juni sollten zunächst 66 von damals rund 150 Filialen aufgegeben werden, bis Anfang August kamen rund 30 weitere Standorte hinzu.

Zuletzt war von ungefähr 50 verbliebenen eigenen Filialen die Rede. Das bedeutet allerdings nicht, dass diese Geschäfte automatisch über den September hinaus weitergeführt werden. Auch die Mietverträge dieser Standorte werden mit dem Ende des Geschäftsbetriebs der GDC Deutschland GmbH gekündigt. Soll eine Filiale anschließend unter einer anderen Gesellschaft weiterbetrieben werden, muss dafür grundsätzlich eine neue vertragliche Grundlage mit dem jeweiligen Vermieter geschaffen werden.

Gries hat angekündigt, entsprechende Gespräche führen zu wollen. Wie viele Vermieter einer Fortsetzung zustimmen, für welche Standorte neue Verträge zustande kommen und welche Filialen Depot letztlich übernimmt, ist derzeit nicht bekannt. Eine belastbare öffentliche Liste der Standorte, die nach dem 30. September sicher weitergeführt werden, gibt es bislang nicht.

Kündigung aller Mietverträge bedeutet nicht automatisch das Ende jeder Filiale

Gerade dieser Punkt sorgt für erhebliche Verwirrung. Die Kündigung sämtlicher Mietverträge klingt nach einer vollständigen Schließung des Filialnetzes. Sie betrifft jedoch zunächst die Verträge der insolventen GDC Deutschland GmbH. Der geplante Neustart setzt deshalb an einem ungewöhnlichen Punkt an. Die bisherige Struktur wird beendet, während für ausgewählte wirtschaftlich interessante Standorte neue Vereinbarungen ausgehandelt werden sollen.

Für jede einzelne Filiale wird damit ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit entscheidend. Umsatz, Miete, Lage, Kundenfrequenz und die Bereitschaft des Vermieters zu neuen Konditionen dürften darüber bestimmen, welche Geschäfte eine Perspektive erhalten. Aus den derzeit noch geöffneten Standorten lässt sich deshalb nicht ableiten, welche Filialen langfristig bestehen bleiben. Umgekehrt wäre es ebenso falsch, bereits von einer endgültigen Schließung aller verbliebenen Depot Geschäfte zu sprechen. Der September wird damit zum Verhandlungsmonat über das künftige stationäre Netz.

Was Kunden mit Depot Gutscheinen jetzt wissen müssen

Besonders konkret wird die Insolvenz für Kunden, die noch einen Depot Gutschein besitzen. Hier gilt derzeit eine wichtige Stichtagsregel. Depot informiert darüber, dass Wertgutscheine mit einem Ausstellungsdatum vor dem 12. Mai 2026 aktuell nicht eingelöst werden können. Hintergrund ist das laufende Insolvenzverfahren. Solche Gutscheine gelten als Forderungen gegenüber dem Unternehmen und können nicht wie im regulären Geschäftsbetrieb behandelt werden. Für später ausgestellte Gutscheine besteht derzeit eine andere Situation. Depot gibt an, dass Gutscheine aktuell in den Filialen eingelöst werden können. Eine Einlösung im Onlineshop ist dagegen derzeit nicht möglich. Auch der Onlinekauf neuer Gutscheine ist ausgesetzt.

Kunden sollten deshalb vor einem geplanten Einkauf insbesondere auf das Ausstellungsdatum ihres Gutscheins achten und den aktuellen Status der betreffenden Filiale prüfen. Offen ist darüber hinaus eine für den möglichen Neustart wichtige Frage: Ob eine andere Gesellschaft, die Depot künftig betreibt, Verpflichtungen aus bestehenden Gutscheinen übernimmt, ist bislang nicht bekannt.

Allein die Weiterführung derselben Marke bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Verpflichtungen der insolventen Gesellschaft unverändert auf einen anderen Rechtsträger übergehen.

Der Onlineshop läuft derzeit weiter

Auch beim Onlinehandel besteht derzeit kein vollständiger Stillstand. Der Depot Onlineshop ist weiterhin erreichbar und Bestellungen sind grundsätzlich möglich. Das bedeutet jedoch nicht, dass die organisatorische Struktur nach dem 30. September bereits geklärt wäre. Der bestehende Onlinehandel gehört zum Geschäft der GDC Deutschland GmbH. Wie der Shop nach Einstellung ihres Geschäftsbetriebs weitergeführt wird, unter welcher Gesellschaft Kunden künftig bestellen und ob es dabei einen unmittelbaren Übergang geben wird, ist bislang nicht abschließend kommuniziert.

Für Kunden bleibt deshalb ein Blick auf Zahlungsart, Lieferstatus und aktuelle Geschäftsbedingungen sinnvoll. Besonders bei einem Unternehmen in einem laufenden Insolvenzverfahren sollte vermieden werden, größere Beträge unnötig lange im Voraus zu zahlen, wenn alternative Zahlungsformen verfügbar sind. Bei Retouren bestehen ebenfalls Besonderheiten. Depot weist derzeit darauf hin, dass Bestellungen, die vor dem 12. Mai 2026 um 19 Uhr aufgegeben wurden, aktuell nicht retourniert werden können. Für spätere Bestellungen nennt das Unternehmen weiterhin ein Rückgaberecht von 30 Tagen. Die kommenden Wochen werden zeigen müssen, wie der Onlinehandel in die geplante kleinere Depot Struktur übertragen werden kann.

Rund 730 Beschäftigte verlieren ihre bisherigen Arbeitsplätze

Während bei den Filialen noch über eine mögliche Fortführung verhandelt werden soll, ist die Situation für die Beschäftigten wesentlich eindeutiger. Rund 730 Arbeitsverhältnisse werden zum 30. September gekündigt. Bereits zuvor hatte der massive Rückbau des Filialnetzes zahlreiche Stellen gekostet. Ende Juli waren nach Angaben des Unternehmens bereits rund 350 Beschäftigte betroffen.

Selbst wenn Depot mit einer anderen Gesellschaft weitergeführt wird, bedeutet dies nicht automatisch, dass bisherige Arbeitsverhältnisse bestehen bleiben oder sämtliche Beschäftigten übernommen werden. Gries hat ausdrücklich angekündigt, mit einer kleineren Mannschaft weitermachen zu wollen. Damit bekommt der geplante Neustart eine klare Größenordnung. Es geht nicht um die Wiederherstellung des bisherigen Unternehmens, sondern um ein wesentlich kleineres Geschäftsmodell. Wie viele Arbeitsplätze dieses Modell langfristig tragen könnte, ist noch offen.

Rewe und Edeka könnten für das neue Depot wichtiger werden

Neben klassischen Filialen könnte ein anderes Vertriebsmodell künftig eine größere Rolle spielen. Gries verhandelt nach eigenen Angaben auch über die Fortführung kleinerer Depot Verkaufsflächen, die in Geschäfte anderer Einzelhändler integriert sind. Solche Shop in Shop Konzepte gibt es unter anderem in Märkten von Rewe und Edeka. Beide Handelsunternehmen haben sich zu einer möglichen Fortführung bislang nicht verbindlich geäußert.

Für Depot könnte dieses Modell strategisch interessant sein. Kleine Verkaufsflächen innerhalb bereits bestehender Märkte benötigen keine vollständige eigene Filialinfrastruktur. Kosten für große Ladenflächen, Personal und Betrieb können dadurch deutlich niedriger ausfallen. Gleichzeitig bleibt die Marke dort sichtbar, wo Kunden ohnehin einkaufen. Für ein Unternehmen, das sein klassisches Filialnetz drastisch verkleinern muss, kann dies einen erheblichen Unterschied machen. Ob aus den Gesprächen tatsächlich ein größerer Vertriebsweg entsteht, bleibt allerdings abzuwarten. Bislang handelt es sich um Verhandlungen, nicht um eine bestätigte flächendeckende Vereinbarung.

Die künftige Depot Gesellschaft bleibt der entscheidende offene Punkt

Noch ungeklärt ist auch, welche Gesellschaft Depot künftig operativ führen soll. Gries hat angekündigt, die ihm gehörende Marke in eine andere Gesellschaft zu überführen. Weitere Details zur künftigen Unternehmensstruktur wurden bisher nicht genannt. Gerade diese Frage wird für Kunden, Beschäftigte, Vermieter und Lieferanten von erheblicher Bedeutung sein. Entscheidend ist nicht nur, ob der Name Depot erhalten bleibt, sondern wer künftig Verträge abschließt, Waren verkauft, Personal beschäftigt und für Verpflichtungen einsteht.

Erst mit einer klaren gesellschaftsrechtlichen und wirtschaftlichen Struktur lässt sich beurteilen, wie belastbar der angekündigte Neustart tatsächlich ist. Bis dahin existiert eine deutliche Trennlinie: Die Zukunft der Marke ist angekündigt. Die konkrete Zukunft des Geschäftsmodells ist noch nicht entschieden.

Temu und Konsumflaute erklären nur einen Teil der Krise

Christian Gries hat als Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten unter anderem Zölle, die wachsende Konkurrenz durch Plattformen wie Temu und die Kaufzurückhaltung der Verbraucher genannt. Diese Faktoren treffen einen Händler wie Depot besonders stark. Wohnaccessoires und Dekorationsartikel gehören zu Konsumbereichen, bei denen Haushalte Ausgaben vergleichsweise leicht verschieben oder reduzieren können. Gleichzeitig setzen internationale Onlineplattformen traditionelle Händler mit großer Produktauswahl, schnellen Sortimentswechseln und aggressiven Preisen unter Druck.

Die Krise lässt sich dennoch nicht seriös auf einen einzelnen Wettbewerber reduzieren. Depot kämpft bereits seit Jahren mit strukturellen Problemen. Nach der Insolvenz 2024 wurde das Filialnetz massiv verkleinert. Dass nur zwei Jahre später erneut ein Insolvenzverfahren notwendig wurde und die verbliebene Betreibergesellschaft nun ihren Geschäftsbetrieb einstellt, zeigt die Tiefe der wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Der geplante Neustart muss deshalb mehr leisten als weitere Filialen zu schließen. Er muss ein Geschäftsmodell schaffen, das mit wesentlich weniger Standorten, geringeren Fixkosten und einer veränderten Wettbewerbssituation dauerhaft funktionieren kann.

Für Kunden entscheidet sich die Zukunft im September

Bis zum 30. September müssen mehrere zentrale Fragen beantwortet werden. Welche der verbliebenen Filialen erhalten neue Mietverträge? Unter welcher Gesellschaft wird Depot künftig betrieben? Wie wird der Onlineshop organisiert? Welche Rolle spielen Shop in Shop Flächen? Und wie groß wird das neue Depot überhaupt noch sein?

Für Kunden ist deshalb Zurückhaltung bei pauschalen Aussagen angebracht. Depot ist nicht einfach von heute auf morgen verschwunden. Ebenso wenig ist gesichert, dass die derzeit verbliebenen Geschäfte dauerhaft erhalten bleiben. Fest steht bislang das Ende der bisherigen Struktur. Die GDC Deutschland GmbH stellt ihren Geschäftsbetrieb ein, rund 730 Arbeitsverhältnisse werden beendet und die bestehenden Mietverträge laufen aus. 

Ob daraus tatsächlich ein erfolgreicher Neustart entsteht, entscheidet sich erst danach. Die Marke Depot soll bleiben. Wie viel vom bisherigen Depot unter diesem Namen weiterlebt, ist die eigentliche offene Frage.


Depot Insolvenz 2026: Welche Filialen bleiben? Depot beendet Ende September den Betrieb der GDC Deutschland GmbH. Welche Filialen bleiben könnten und was Kunden zu Gutscheinen, Onlineshop und Jobs wissen müssen.

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