Digitaler Euro: Neue Kontonummer für jeden Nutzer

Veröffentlicht am 17. September 2026 um 14:02

Rubrik: Finanzen
Format: Hintergrund
Autor: Sinisa Brkic (sb)



Wer künftig den digitalen Euro über ein eigenes Zahlungskonto nutzt, braucht dafür eine zusätzliche Kontonummer. Neben der bekannten IBAN ist für das neue europäische Zahlungssystem eine eigene Kontokennung vorgesehen. Im kommenden Pilotbetrieb heißt sie DEAN und wird jedem individuellen Testkonto eindeutig zugeordnet. Für Bankkunden ändert sich vorerst dennoch nichts, denn die Einführung des digitalen Euro ist noch nicht endgültig beschlossen.

Zum digitalen Euro gehört ein eigenes Zahlungskonto

Die technische Architektur des digitalen Euro nimmt zunehmend konkrete Formen an. Ein Detail dürfte dabei für Millionen potenzielle Nutzer unmittelbar relevant werden: Das Konto für digitale Euro benötigt eine eigene, eindeutige Kontonummer. Schon der Verordnungsvorschlag der Europäischen Kommission sieht vor, dass jedes Zahlungskonto für digitale Euro über eine einzigartige Kontonummer verfügen muss. Auch die technischen Regelwerke der Europäischen Zentralbank greifen dieses Prinzip auf. Für den ab 2027 vorgesehenen Pilotbetrieb wurde die Kennung bereits konkret ausgestaltet. Sie trägt die Bezeichnung DEAN. Im Pilot steht die Abkürzung für Digital Euro Access Number. Die Nummer dient dazu, das jeweilige Konto eindeutig zu identifizieren und Zahlungen technisch dem richtigen Empfänger zuzuordnen.



Zusätzlich zur IBAN

Für Verbraucher bedeutet das nicht, dass ihre bisherige IBAN ersetzt wird. Das bestehende Girokonto und ein Konto für digitale Euro sind zwei unterschiedliche Kontostrukturen. Wer den digitalen Euro nutzt, würde deshalb zusätzlich zur bisherigen Bankverbindung eine weitere Kontokennung erhalten. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur Vorstellung, der digitale Euro werde lediglich als weitere Funktion in ein bestehendes Girokonto eingebaut. Nach dem vorgesehenen Modell handelt es sich um eine eigene Zahlungsinfrastruktur, die zwar mit einem gewöhnlichen Bankkonto verbunden werden kann, technisch aber separat geführt wird. Ein bestehendes Konto bei einer Geschäftsbank kann beispielsweise dazu dienen, digitale Euro auf das entsprechende Zahlungskonto zu übertragen oder überschüssige Beträge wieder zurückzuführen. Die IBAN des Girokontos bleibt davon unberührt.

Die neue Nummer beginnt mit EU

Für den Pilotbetrieb hat die EZB die Struktur der DEAN bereits festgelegt. Die Kennung besteht aus 18 alphanumerischen Zeichen. Die ersten beiden Zeichen lauten „EU“, danach folgen zwei Prüfziffern und eine 14 stellige Basisnummer. Damit erinnert das System in seiner Logik an die IBAN, ist aber nicht identisch mit ihr. Die DEAN soll unabhängig davon funktionieren, bei welchem teilnehmenden Zahlungsdienstleister das Konto geführt wird. Auch eine nationale Länderkennung wie bei heutigen IBAN Nummern ist innerhalb des Pilots nicht vorgesehen. Die Kennung wird dabei nicht vom Nutzer selbst gewählt. Der jeweilige Zahlungsdienstleister fordert sie über die technische Plattform des Eurosystems an und ordnet sie anschließend dem Konto des Nutzers zu.

Jeder Testnutzer erhält eine eindeutige DEAN

Im Pilotbetrieb ist die Regel eindeutig. Jeder individuelle Teilnehmer verfügt über ein Konto für die Beta Version des digitalen Euro, und dieses Konto wird durch eine eigene DEAN identifiziert. Mehrere Konten pro individuellem Nutzer sind für diesen Test nicht vorgesehen. Das zeigt, dass die neue Kontonummer kein nebensächliches technisches Detail ist. Sie gehört zum grundlegenden Aufbau der geplanten Zahlungsinfrastruktur. Auch der Entwurf des umfassenderen Regelwerks für einen künftigen digitalen Euro sieht bei der Eröffnung eines entsprechenden Kontos die Zuteilung einer eigenen Kontonummer vor. Wie die endgültige Bezeichnung und technische Ausgestaltung nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens aussehen wird, ist allerdings noch nicht in allen Punkten fixiert. Die derzeit veröffentlichten Detailvorgaben für die 18 stellige DEAN gelten zunächst für den Pilotbetrieb.

Im Alltag könnte die Nummer kaum sichtbar sein

Dass jeder Nutzer beziehungsweise jedes Konto eine eindeutige Nummer benötigt, bedeutet nicht zwangsläufig, dass Verbraucher diese bei jeder Zahlung eintippen müssen. Die EZB sieht zusätzlich sogenannte Aliase vor, die mit der DEAN verknüpft werden können. Im Pilotbetrieb soll dafür eine Mobiltelefonnummer verwendet werden können. Wer Geld an eine andere Person überträgt, könnte damit deren Telefonnummer statt der vollständigen DEAN verwenden. Das System ermittelt im Hintergrund die zugehörige Kontokennung und leitet die Zahlung an das richtige Konto weiter. Für Verbraucher könnte die neue Kontonummer deshalb technisch unverzichtbar, im alltäglichen Zahlungsverkehr aber weitgehend unsichtbar bleiben. Vergleichbare Mechanismen sind bereits aus anderen digitalen Zahlungssystemen bekannt, bei denen eine Telefonnummer oder ein anderer leicht merkbarer Identifikator die eigentliche Kontoverbindung ersetzt.

Kein Konto direkt bei der EZB

Die eigene Kontonummer bedeutet auch nicht, dass Millionen Europäer unmittelbar ein klassisches Bankkonto bei der Europäischen Zentralbank erhalten würden. Nach dem vorgesehenen Modell erfolgt der Zugang zum digitalen Euro über Banken und andere zugelassene Zahlungsdienstleister. Für den Nutzer bleibt damit ein Zahlungsdienstleister die operative Schnittstelle. Dieser übernimmt unter anderem die Eröffnung und Verwaltung des Kontos, die Identifizierung des Kunden und die Bereitstellung der notwendigen Anwendungen. Das Eurosystem stellt im Hintergrund zentrale Teile der Infrastruktur bereit. Der digitale Euro unterscheidet sich dennoch grundsätzlich von gewöhnlichem Giralgeld auf einem Bankkonto. Er wäre digitales Zentralbankgeld und damit eine elektronische Form des Euro, die unmittelbar vom Eurosystem ausgegeben würde.

Der große Praxistest beginnt 2027

Wie das System im Alltag funktioniert, soll ab der zweiten Jahreshälfte 2027 getestet werden. Die EZB plant einen zwölfmonatigen Pilotbetrieb mit Beschäftigten des Eurosystems, ausgewählten Händlern und insgesamt 36 Zahlungsdienstleistern aus dem Euroraum. Auch Österreich ist über die beteiligten nationalen Zentralbanken in das Projekt eingebunden. Getestet werden Zahlungen zwischen Privatpersonen sowie Zahlungen im stationären und digitalen Handel. Dabei sollen sowohl Online Zahlungen als auch bestimmte Offline Funktionen praktisch erprobt werden. Der Pilot ist damit erheblich mehr als eine theoretische Simulation. Er soll zeigen, wie sich Konteneröffnung, Zahlungen, technische Abwicklung und Nutzerführung unter möglichst realitätsnahen Bedingungen bewähren.

Die Einführung ist trotzdem noch nicht beschlossen

So weit die technische Vorbereitung inzwischen fortgeschritten ist, politisch und rechtlich ist der digitale Euro noch nicht endgültig beschlossen. Der Rat der Europäischen Union hat seine Verhandlungsposition bereits Ende 2025 festgelegt. Im Europäischen Parlament wurde 2026 ebenfalls die Grundlage für interinstitutionelle Verhandlungen geschaffen. Erst nach Abschluss des europäischen Gesetzgebungsverfahrens kann die EZB endgültig darüber entscheiden, ob der digitale Euro tatsächlich ausgegeben wird. Die Zentralbank arbeitet derzeit mit dem Ziel, für eine mögliche erste Ausgabe im Jahr 2029 bereit zu sein. Dieses Datum ist deshalb kein fixer Einführungstermin. Es beschreibt den derzeitigen Planungsstand unter der Voraussetzung, dass die erforderlichen Rechtsvorschriften rechtzeitig beschlossen werden.

Eine zweite Kontonummer könnte zum europäischen Alltag werden

Die Tragweite der neuen Kontokennung liegt weniger in ihrer Zeichenfolge als in dem System, das dahinter entsteht. Wer künftig ein eigenes Konto für digitale Euro nutzt, hätte neben seiner bisherigen Bankverbindung eine weitere eindeutige Kontonummer für eine eigenständige europäische Zahlungsinfrastruktur. Noch ist daraus keine neue Nummer für jeden Bürger geworden. Niemand erhält derzeit automatisch eine DEAN, und niemand muss wegen der laufenden Vorbereitungen ein zusätzliches Konto eröffnen. Sollte der digitale Euro jedoch wie vorgesehen eingeführt und von Verbrauchern genutzt werden, gehört eine eigene Kontokennung zum Konzept.

Damit zeichnet sich eine Veränderung ab, die im Alltag zunächst unspektakulär wirken könnte, technisch aber tief in die europäische Zahlungsarchitektur reicht. Zur vertrauten IBAN könnte für Nutzer des digitalen Euro eine zweite Kontonummer hinzukommen.


Digitaler Euro: Neue Kontonummer DEAN für jeden Nutzer. Für den digitalen Euro ist eine eigene Kontonummer vorgesehen. Was hinter der DEAN steckt, warum die IBAN bestehen bleibt und wann das neue System starten könnte.