Rubrik: Wirtschaft
Format: Spezialbericht
Autor: Sinisa Brkic (sb)
Mäc-Geiz schließt rund 50 Filialen nach Insolvenz. Mäc-Geiz will rund 50 von 183 Filialen schließen. Welche Standorte betroffen sind, ist offen. Der Spezialbericht zu Insolvenz, Jobs und Folgen.
Der insolvente Haushaltsdiscounter Mäc-Geiz steht vor einem tiefen Einschnitt. Rund 50 der bundesweit 183 Filialen sollen nach derzeitigem Stand aufgegeben werden, doch die betroffenen Standorte sind weiterhin nicht bekannt. Für Beschäftigte, Vermieter und zahlreiche ostdeutsche Innenstädte beginnt damit eine Phase erheblicher Unsicherheit.
Die Sanierung erreicht ihre entscheidende Phase
Seit dem 1. August 2026 befindet sich Mäc-Geiz im eröffneten Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Die Geschäftsführung bleibt damit im Amt und führt die Restrukturierung unter Aufsicht des gerichtlich bestellten Sachwalters Lucas Flöther fort. Betroffen sind sowohl die Mäc-Geiz Handelsgesellschaft als auch die Verwaltungsgesellschaft MTH Retail Services (Germany). ale Übergang in das eröffnete Verfahren ist kein überraschender Zusammenbruch, sondern der nächste Schritt eines Sanierungsprozesses, der im Mai begonnen hatte. Damals beantragte das Unternehmen die Eigenverwaltung und setzte den Geschäftsbetrieb in seinen Filialen zunächst fort. Nun wird sichtbar, wie tief der Eingriff in das Filialnetz ausfallen dürfte.
Nach aktuellem Stand sollen rund 50 der insgesamt 183 Geschäfte geschlossen werden. Damit steht mehr als jeder vierte Standort zur Disposition. Der Rückbau ist erheblich genug, um die Präsenz der Kette in ganzen Regionen zu verändern, bedeutet aber ausdrücklich keine vollständige Einstellung des Geschäftsbetriebs.
Welche Filialen schließen, bleibt vorerst offen
Die für Kunden und Beschäftigte wichtigste Frage ist bislang unbeantwortet. Mäc-Geiz hat noch keine Liste der betroffenen Filialen veröffentlicht und auch keine einzelnen Standorte verbindlich als Schließungskandidaten benannt. Nach Angaben des Unternehmens soll spätestens im Herbst Klarheit über die künftige Struktur des Filialnetzes bestehen. n bleiben lokale Spekulationen ohne belastbare Grundlage. Weder eine schwächere Kundenfrequenz noch ein älterer Mietvertrag oder eine Filiale in einer kleineren Stadt reichen aus, um eine bevorstehende Schließung seriös abzuleiten. Entscheidend dürften die Ertragskraft des einzelnen Geschäfts, die Mietkonditionen, die regionale Logistik und die Bedeutung eines Standorts für das verbleibende Netz sein.
Das Unternehmen verhandelt derzeit mit Vermietern über die Zukunft seiner Standorte. Solche Gespräche können darüber entscheiden, ob ein Geschäft durch niedrigere Mietkosten oder veränderte Vertragsbedingungen erhalten bleibt. Sie können jedoch ebenso zu dem Ergebnis führen, dass eine Fortführung wirtschaftlich nicht mehr vertretbar ist.
Auch Termine für mögliche Räumungsverkäufe sind bislang nicht flächendeckend bekannt. Dasselbe gilt für die konkrete Behandlung von Gutscheinen, Retouren und Warenbeständen an später geschlossenen Standorten. Solange das Unternehmen hierzu keine verbindlichen Informationen veröffentlicht, wären pauschale Aussagen irreführend.
Der Stellenabbau hat bereits begonnen
Die Restrukturierung trifft die Belegschaft nicht erst mit den kommenden Filialschließungen. Seit dem Insolvenzantrag wurden bereits 71 Arbeitsplätze abgebaut. Davon entfielen 66 Stellen auf die Mäc-Geiz Handelsgesellschaft und weitere fünf auf MTH Retail Services (Germany). n waren Beschäftigte aus Vertrieb, Logistik und dem Dienstleistungszentrum. Das Unternehmen begründet den Schritt mit der notwendigen Anpassung seiner Kostenstruktur. Wie viele weitere Stellen durch die Aufgabe der rund 50 Geschäfte entfallen werden, steht noch nicht fest.
Bundesweit beschäftigt Mäc-Geiz nach Unternehmensangaben 1.175 Menschen. Diese Zahl darf nicht mit der Zahl möglicher Arbeitsplatzverluste gleichgesetzt werden. Der Geschäftsbetrieb wird fortgeführt, und das Unternehmen zahlt die Löhne und Gehälter nach dem Ende des Insolvenzgeldzeitraums wieder aus eigenen Mitteln.
Dennoch ist klar, dass Filialschließungen weitere personelle Folgen haben werden. Ob Beschäftigte an andere Standorte wechseln können, ob einzelne Geschäfte übernommen werden oder wie viele Kündigungen unvermeidbar werden, hängt von der endgültigen Standortentscheidung ab. Für die Belegschaft bedeutet die offene Filialliste deshalb nicht nur betriebliche, sondern auch persönliche Unsicherheit.
Ostdeutsche Städte tragen ein besonderes Risiko
Mäc-Geiz ist vor allem in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Berlin stark vertreten. Allein in Sachsen-Anhalt betreibt das Unternehmen nach eigenen Angaben etwa 40 Filialen. Die bevorstehende Verkleinerung des Netzes dürfte deshalb besonders im Osten Deutschlands sichtbar werden, auch wenn eine überproportionale regionale Belastung noch nicht bestätigt ist. e Einkaufszentren ist der Verlust eines einzelnen Discounters häufig verkraftbar. In kleineren und mittleren Städten kann die Lage anders aussehen. Dort gehören Anbieter wie Mäc-Geiz oft zu den wenigen verbliebenen Geschäften, die Haushaltswaren, Schreibwaren, Drogerieartikel und saisonale Produkte zu niedrigen Preisen anbieten.
Eine Schließung betrifft in solchen Lagen nicht nur die Belegschaft und den Vermieter. Sie kann Kundenfrequenz aus einer Geschäftsstraße abziehen, benachbarte Händler schwächen und eine weitere leer stehende Fläche hinterlassen. Gerade in Innenstädten mit sinkender Einwohnerzahl oder geringer Kaufkraft kann aus einer einzelnen Unternehmensentscheidung ein dauerhaftes städtebauliches Problem werden.
Die offene Standortfrage besitzt deshalb auch kommunalpolitische Bedeutung. Städte und Wirtschaftsförderungen werden prüfen müssen, ob Flächen rasch nachbesetzt werden können und ob Wettbewerber Interesse an einzelnen Standorten haben. Ohne konkrete Filialliste bleiben solche Vorbereitungen allerdings begrenzt.
Kein allgemeiner Absturz, aber ein gefährliches Geschäftsmodell
Die Lage von Mäc-Geiz ist Teil eines größeren Umbruchs im stationären Non-Food-Handel. Das Unternehmen selbst nennt Konsumzurückhaltung, steigende Lebenshaltungskosten, hohe Energie- und Lohnnebenkosten sowie den Druck digitaler Geschäftsmodelle als Belastungen. Hinzu kommt ein Wettbewerb, in dem größere Ketten ihre Einkaufsvolumen, Logistik und Expansion wesentlich aggressiver nutzen können. ichen Handelsdaten zeigen allerdings kein einheitliches Bild eines kollabierenden Einzelhandels. Im ersten Halbjahr 2026 lag der reale Umsatz des deutschen Einzelhandels um 0,7 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Im Juni sank er jedoch real um 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 0,2 Prozent gegenüber Juni 2025. rchschnittswerte verdecken erhebliche Unterschiede zwischen Branchen und Geschäftsmodellen. Ein Lebensmitteleinzelhändler mit hoher Kundenfrequenz arbeitet unter anderen Bedingungen als ein kleinerer Non-Food-Discounter, der austauschbare Waren verkauft und sowohl mit großen Filialketten als auch mit Onlineplattformen konkurriert. Für Mäc-Geiz liegt das Problem deshalb nicht allein in der allgemeinen Konsumlage, sondern in der eigenen Position innerhalb eines härter gewordenen Marktes.
Preisorientierte Kunden sind keineswegs verschwunden. Erfolgreiche Wettbewerber zeigen, dass die Nachfrage nach günstigen Haushaltswaren weiterhin vorhanden ist. Entscheidend sind jedoch Sortimentswechsel, Einkaufskonditionen, Flächenproduktivität, Logistik und die Fähigkeit, neue Standorte schneller zu entwickeln oder unrentable Geschäfte konsequent aufzugeben.
Die Verbindung mit Kodi wirft neue Fragen auf
Besondere Aufmerksamkeit verdient die kurze Verbindungsgeschichte mit dem Konkurrenten Kodi. Die Kodi Beteiligungs GmbH hatte Mäc-Geiz erst im Februar 2026 von der österreichischen MTH Retail Group übernommen. MTH gab dabei ihre bisherigen Anteile an Mäc-Geiz ab und beteiligte sich im Gegenzug als Minderheitsgesellschafterin an der Kodi Beteiligungs GmbH. Übernahme sollten gemeinsame Strukturen genutzt und insbesondere der Einkauf enger verzahnt werden. Nur wenige Monate später befanden sich jedoch beide Handelsketten erneut in existenziell schwierigen Verfahren. Auch Kodi beantragte im Juli 2026 eine weitere Insolvenz in Eigenverwaltung und kündigte die voraussichtliche Schließung von rund 50 seiner 150 Filialen an. itliche Abfolge beweist nicht, dass die Verbindung beider Unternehmen die Probleme verursacht hat. Sie zeigt jedoch, dass die erwarteten Synergien nicht schnell genug wirkten, um die wirtschaftliche Schieflage zu verhindern. Ob die gemeinsame Eigentümerstruktur, operative Abhängigkeiten oder finanzielle Verbindungen die beiden Sanierungen beeinflussen, ist bislang nicht ausreichend öffentlich geklärt.
Auch die Rolle der früheren österreichischen Eigentümerin muss deshalb präzise behandelt werden. Eine Minderheitsbeteiligung begründet weder automatisch operative Verantwortung noch lässt sie Rückschlüsse auf einzelne Sanierungsentscheidungen zu. Belastbare Aussagen sind erst möglich, wenn Unternehmensstrukturen, Finanzierungsbeziehungen und Verfahrensunterlagen klarer offengelegt werden.
Die entscheidenden Verhandlungen laufen hinter den Kulissen
Für die Zukunft von Mäc-Geiz sind nun mehrere Ebenen gleichzeitig entscheidend. Die Geschäftsführung muss mit Vermietern tragfähige Konditionen vereinbaren, ein wirtschaftlich funktionierendes Filialnetz definieren und zugleich das Vertrauen von Lieferanten, Beschäftigten und Kunden erhalten. Jeder dieser Faktoren kann den Sanierungsplan stabilisieren oder weiter unter Druck setzen.
Besonders wichtig wird sein, ob die verbleibenden rund 130 Standorte dauerhaft profitabel betrieben werden können. Ein kleineres Netz senkt zwar Miet-, Personal- und Betriebskosten, kann jedoch zugleich Einkaufsmacht, Logistikeffizienz und regionale Sichtbarkeit schwächen. Die Schließung unrentabler Filialen ist deshalb nur dann eine Lösung, wenn das verbleibende Unternehmen wirtschaftlich geschlossen funktioniert.
Unklar bleibt außerdem, ob Interessenten einzelne Geschäfte oder regionale Filialpakete übernehmen könnten. Für Wettbewerber können bestehende Mietflächen, eingespielte Teams und etablierte Kundenlagen attraktiv sein. Eine Übernahme wäre für Beschäftigte und Kommunen häufig die bessere Lösung als eine vollständige Aufgabe des Standorts, doch konkrete Gespräche sind bislang nicht bestätigt.
Ein Sanierungsfall mit Folgen über das Unternehmen hinaus
Mäc-Geiz befindet sich nicht am Ende des Verfahrens, sondern an seinem schwierigsten Punkt. Die angekündigten Schließungen schaffen Kostenspielraum, lösen aber noch nicht die grundlegende Frage, ob sich das Geschäftsmodell gegenüber größeren Discountern und digitalen Anbietern dauerhaft behaupten kann. Der Erfolg der Sanierung wird deshalb nicht an der Zahl geschlossener Filialen gemessen, sondern an der wirtschaftlichen Stabilität der verbleibenden Standorte.
Für Beschäftigte und Kunden beginnt nun das Warten auf die Standortliste. Für Städte, Vermieter und Lieferanten geht es bereits um konkrete wirtschaftliche Schäden und mögliche Anschlusslösungen. Spätestens im Herbst wird sich zeigen, ob Mäc-Geiz durch den Rückzug neue Stabilität gewinnt oder ob die Schließung von rund 50 Filialen nur die erste sichtbare Etappe einer noch tieferen Krise war.
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