Rubrik: Geopolitik
Format: Spezialbericht
Autor: Sinisa Brkic (sb)
Russland und Ukraine: Aktuelle Kriegslage zwischen Gewalt und Selbsttäuschung. Der Spezialbericht analysiert Russlands Zermürbungsstrategie, Kyivs politische Krise, ukrainische Fernangriffe, westliche Interessen und eine Diplomatie ohne glaubwürdigen Friedensplan.
Russland setzt auf militärische Zermürbung, massive Luftangriffe und die langsame Verschiebung der Front. Die Ukraine hält dagegen, verfügt aber weiterhin über keinen glaubwürdigen Weg, die besetzten Gebiete vollständig zurückzugewinnen, und beantwortet wachsende Zweifel mit Personalwechseln, Durchhalteparolen und politischer Zentralisierung. Während Moskau den Krieg eskaliert und Kyiv seine Grenzen nur zögerlich eingesteht, finanziert der Westen eine Fortsetzung, ohne ein belastbares Ziel für das Ende zu formulieren.
Die Front bewegt sich, der Krieg nicht
Die militärische Lage bleibt von langsamen Verschiebungen und hohem Verschleiß geprägt. Russische Kräfte üben an mehreren Frontabschnitten Druck aus und erzielen lokale Geländegewinne, ohne damit einen strategischen Zusammenbruch der ukrainischen Verteidigung erreicht zu haben. Kyiv kann Moskaus Vormarsch bremsen, verfügt derzeit jedoch nicht über die personellen und materiellen Reserven für eine groß angelegte Rückeroberung.
Der Krieg hat sich zu einer nahezu flächendeckenden Überwachungsschlacht entwickelt. Drohnen kontrollieren weite Räume vor und hinter den Stellungen, erfassen Fahrzeuge, Nachschubwege und selbst kleinste Truppenbewegungen. In einzelnen Abschnitten reicht diese Gefahrenzone bis zu 30 Kilometer tief, weshalb Soldaten beider Seiten oft isoliert operieren und selbst kurze Bewegungen zum tödlichen Risiko werden.
Russland besitzt Vorteile bei Personal, Munition und industrieller Produktion, kann daraus aber weiterhin keinen schnellen Sieg formen. Die Ukraine hat sich technologisch angepasst und Moskau hohe Kosten auferlegt, bleibt jedoch stark von ausländischer Finanzierung, Aufklärung, Flugabwehr und Munitionsversorgung abhängig. Beide Seiten halten an Zielen fest, die mit den verfügbaren militärischen Mitteln kaum erreichbar erscheinen.
Moskau verkauft begrenzte Fortschritte als Beweis strategischer Überlegenheit. Kyiv stellt erfolgreiches Verzögern häufig als Grundlage einer späteren Wende dar, obwohl eine solche Wende gegenwärtig nicht erkennbar ist. Zwischen der tatsächlichen Frontlage und der politischen Kommunikation beider Hauptstädte liegt eine Lücke, die mit jedem weiteren Kriegsmonat größer wird.
Moskau macht Zermürbung zur Staatsdoktrin
Russland verstärkt den Druck auf ukrainische Städte, Verkehrswege und Energieanlagen. Allein in der Nacht zum 25. Juli setzte die russische Seite nach ukrainischen Angaben ballistische Raketen und 136 Drohnen ein. In mehreren Regionen wurden Wohngebäude, Geschäfte und zivile Einrichtungen getroffen, wobei Tote und Verletzte gemeldet wurden.
Die steigenden Opferzahlen zeigen, dass der Luftkrieg längst kein begrenztes Instrument gegen militärische Infrastruktur mehr ist. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden in der Ukraine im ersten Halbjahr 2026 mindestens 1.396 Zivilpersonen getötet und 7.978 verletzt. Allein im Juni starben mindestens 293 Menschen, weitere 1.990 wurden verletzt, womit der höchste monatliche Gesamtwert seit April 2022 erreicht wurde.
Moskau erklärt seine Angriffe regelmäßig mit militärischer Notwendigkeit und verweist auf ukrainische Rüstungsproduktion, Logistik und Energieversorgung. Diese Argumentation verliert an Glaubwürdigkeit, wenn wiederholt Wohngebiete getroffen werden und die Zerstörung ziviler Lebensgrundlagen einen erkennbaren Teil der strategischen Wirkung bildet. Eine Kriegsführung, die Angst, Dunkelheit und Versorgungsunsicherheit systematisch nutzt, richtet sich faktisch auch gegen die Widerstandskraft der Bevölkerung.
Der Kreml verfolgt dabei keinen klar erkennbaren Endpunkt. Er spricht von Verhandlungen, hält jedoch an weitreichenden politischen und territorialen Forderungen fest und kündigt zugleich an, die militärischen Operationen bis zu einem russischen Sieg fortzusetzen. Diplomatie erscheint damit weniger als Weg aus dem Krieg, sondern als zusätzliches Mittel, um Zeit zu gewinnen, westliche Differenzen zu vertiefen und die eigenen Kriegsziele politisch abzusichern.
Putins System kann Verluste verbergen, aber keinen Erfolg erzwingen
Die russische Führung kann den Krieg länger fortsetzen, weil sie politische Kosten autoritär verteilt. Unabhängige Medien, offene Proteste und organisierte Opposition stehen unter massivem Druck, während Kritik am Krieg strafrechtliche Folgen haben kann. Internationale Menschenrechtsorganisationen und Vereinte Nationen dokumentieren eine weitere Verschärfung von Zensur, Überwachung und Verfahren gegen Kritiker.
Diese Repression ist kein Nebenaspekt des Krieges. Sie ist eine seiner innenpolitischen Voraussetzungen, weil sie verhindert, dass Verluste, wirtschaftliche Belastungen und strategische Fehlschläge offen diskutiert werden. Der Kreml verlangt Loyalität, liefert aber weder eine transparente Bilanz der Kosten noch eine überprüfbare Erklärung, wie ein tragfähiger politischer Erfolg aussehen soll.
Auch wirtschaftlich wächst der Druck. Die russische Zentralbank senkte den Leitzins zuletzt auf 14 Prozent, korrigierte ihre Wachstumsprognose für 2026 jedoch auf eine Spanne von null bis ein Prozent und erhöhte zugleich die Inflationserwartung. Hohe Rüstungsausgaben, teure Kredite, Arbeitskräftemangel und ukrainische Angriffe auf Energieanlagen belasten eine Wirtschaft, die widerstandsfähig geblieben ist, aber immer stärker vom Krieg verformt wird.
Russland ist damit weder unmittelbar vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch noch auf einem stabilen Wachstumspfad. Der Staat hält die Kriegsproduktion aufrecht, verschiebt dafür aber Kapital, Arbeitskräfte und politische Aufmerksamkeit aus zivilen Bereichen in den militärischen Komplex. Die Bevölkerung soll einen langfristigen Preis akzeptieren, ohne über das Ziel oder die Dauer dieses Opfers entscheiden zu können.
Kyiv verlangt Vertrauen, verweigert aber zu oft Rechenschaft
Die Ukraine befindet sich in einer fundamental anderen Lage, weil sie um staatliche Handlungsfähigkeit und territoriale Kontrolle kämpft. Diese Lage erklärt viele außergewöhnliche Maßnahmen, entbindet die politische Führung jedoch nicht von Transparenz, Kontrolle und Verantwortung. Gerade ein Staat, der von seiner Bevölkerung höchste Opfer verlangt, muss besonders überzeugend erklären, wie Entscheidungen getroffen werden und wer für Fehler einsteht.
Die jüngsten Umbauten in Regierung und Militärführung haben dieses Vertrauen nicht gestärkt. Die überraschende Entlassung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow löste Proteste aus, während die Ablösung des bisherigen Oberbefehlshabers und die Ernennung von Mychajlo Drapatyj einen tiefen Konflikt über Führungsstil, Reformtempo und militärische Verantwortung offenlegten. Auch der vorherige Austausch der Regierungsspitze verstärkte den Eindruck, dass Personalentscheidungen zunehmend im engen Umfeld des Präsidenten getroffen werden.
Umbildungen sind im Krieg nicht grundsätzlich problematisch. Problematisch wird es, wenn zentrale Amtsträger ausgetauscht werden, ohne dass die politischen und militärischen Ursachen der Krise offen benannt werden. Wenn Minister, Generäle und Regierungschefs wechseln, das Machtzentrum selbst aber kaum Rechenschaft ablegt, entsteht der Verdacht, Verantwortung werde systematisch nach unten weitergereicht.
Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Ukraine international sichtbar gehalten und westliche Unterstützung mobilisiert. Im Inneren hat sich die politische Macht jedoch stark auf das Präsidentenamt und einen begrenzten Kreis von Vertrauten konzentriert. Diese Zentralisierung mag schnelle Entscheidungen erleichtern, schwächt aber institutionelle Kontrolle und erhöht das Risiko, dass Loyalität wichtiger wird als fachliche Kritik.
Mobilisierung ohne Vertrauen wird zur politischen Zeitbombe
Die Ukraine leidet unter Personalmangel, erschöpften Einheiten und einer Front, die dauerhaft mehr Soldaten bindet, als das Land problemlos ersetzen kann. Die Mobilisierung ist daher militärisch unvermeidbar, ihre Umsetzung wird jedoch seit Jahren von Berichten über Willkür, Korruption und Übergriffe begleitet. Zusammenstöße zwischen Bürgern und Rekrutierungsbeamten zeigen, wie tief das Vertrauen in dieses System beschädigt ist.
Der Staat kann von seinen Bürgern nicht unbegrenzte Opfer verlangen und zugleich den Eindruck dulden, dass Zugang zu Geld, Beziehungen oder Auslandsaufenthalten über das persönliche Risiko entscheidet. Eine Mobilisierung, die als sozial ungerecht wahrgenommen wird, verliert ihre Legitimität auch dann, wenn die militärische Notwendigkeit real ist. Sie produziert Soldaten, aber nicht automatisch Kampfbereitschaft, Vertrauen oder gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Kyiv verweist zu Recht auf die existenzielle Bedrohung durch Russland. Diese Bedrohung darf jedoch nicht zur dauerhaften Begründung für jede Form administrativer Härte werden. Wo Übergriffe geschehen, müssen sie verfolgt werden, wo Korruption den Dienst untergräbt, muss sie sichtbar sanktioniert werden, und wo militärische Führung versagt, darf die Verantwortung nicht in intransparenten Personalrochaden verschwinden.
Auch die politische Legitimation bleibt auf Dauer ein Problem. Wahlen sind unter Kriegsrecht nicht vorgesehen und angesichts von Besatzung, Flucht, Frontdienst und anhaltenden Luftangriffen kaum regulär durchführbar. Trotzdem braucht die Ukraine einen glaubwürdigen Plan für demokratische Erneuerung, denn rechtliche Kontinuität ersetzt langfristig keine politische Rückbindung an die Bevölkerung.
Ukrainische Fernangriffe sind kein moralischer Freiraum
Die Ukraine hat ihre Fähigkeit zu weitreichenden Angriffen deutlich ausgebaut. Raffinerien, Häfen, Pipelines, Tanklager und andere wirtschaftlich relevante Anlagen tief im russischen Hinterland werden zunehmend zum Ziel. Der Angriff auf die Raffinerie in Omsk zeigte, dass Kyiv inzwischen auch Ziele in mehreren Tausend Kilometern Entfernung erreichen kann.
Militärisch ist die Logik nachvollziehbar. Russland finanziert seinen Krieg wesentlich über Energieeinnahmen und nutzt Raffinerien, Depots und Transportwege für die Versorgung seiner Streitkräfte. Wer diese Infrastruktur trifft, erhöht die wirtschaftlichen und logistischen Kosten des Krieges.
Aus militärischer Nachvollziehbarkeit folgt jedoch keine automatische Rechtmäßigkeit jeder Zielauswahl. Energieanlagen befinden sich häufig in der Nähe von Wohngebieten, beschäftigen zivile Arbeitskräfte und versorgen Regionen weit über den militärischen Bereich hinaus. Je größer die Reichweite ukrainischer Drohnen wird, desto größer wird auch Kyivs Verantwortung für Aufklärung, Verhältnismäßigkeit und mögliche zivile Folgen.
Russische und von Russland eingesetzte Behörden melden regelmäßig zivile Opfer ukrainischer Angriffe. Ende Juli wurde in einem von Russland kontrollierten Teil der Region Saporischschja ein Ferienlager getroffen, wobei nach Angaben der dortigen Behörden zwölf Menschen, darunter fünf Kinder, getötet wurden. Kyiv äußerte sich zunächst nicht, und eine unabhängige Überprüfung der russischen Darstellung war wegen des eingeschränkten Zugangs nicht möglich.
Solche Fälle dürfen weder ungeprüft als russische Propaganda abgetan noch automatisch als ukrainisches Kriegsverbrechen bezeichnet werden. Sie müssen untersucht werden, gerade weil beide Seiten zivile Opfer der jeweils anderen Angriffe politisch nutzen. Wer glaubwürdig auf russische Rechtsverletzungen verweist, muss auch bei ukrainischen Operationen dieselben Maßstäbe für Beweise und Verantwortung anwenden.
Der Westen finanziert Widerstand, aber keinen Ausweg
Die Europäische Union und andere westliche Partner halten die Ukraine wirtschaftlich und militärisch handlungsfähig. Die EU hat ihre Sanktionen gegen Russland erneut ausgeweitet und umfangreiche finanzielle, humanitäre und militärische Unterstützung bereitgestellt. Ohne diese Hilfe könnte Kyiv den Krieg in seiner derzeitigen Form kaum fortführen.
Doch Unterstützung ist noch keine Strategie. Westliche Regierungen bleiben uneinig darüber, ob das Ziel in der vollständigen Wiederherstellung ukrainischer Grenzen, einem langfristig eingefrorenen Konflikt, einem ausgehandelten Gebietskompromiss oder einer militärisch abgesicherten Restukraine bestehen soll. Diese Unklarheit wird mit Begriffen wie gerechter Frieden, dauerhafte Sicherheit und Unterstützung so lange wie nötig überdeckt.
Damit wird die Ukraine ermutigt, weiterzukämpfen, ohne eine belastbare Zusage zu erhalten, welche Mittel für welches Endziel tatsächlich bereitgestellt werden. Zugleich vermeiden westliche Regierungen eine offene Debatte darüber, welche territorialen, finanziellen und menschlichen Kosten sie selbst dauerhaft tragen wollen. Die Differenz zwischen öffentlicher Solidarität und konkreter Risikobereitschaft bleibt erheblich.
Der Westen trägt deshalb Mitverantwortung für die strategische Unschärfe. Er verhindert durch Waffen und Geld eine ukrainische Niederlage, schafft aber bislang keine Bedingungen für einen realistischen politischen Abschluss. Sanktionen erhöhen den Druck auf Russland, zwingen den Kreml jedoch nicht automatisch zu Zugeständnissen, solange Moskau davon ausgeht, den längeren Atem zu besitzen.
Diplomatie bleibt eine Bühne ohne Vertrag
Von einem belastbaren Friedensprozess kann derzeit keine Rede sein. Washington und Kyiv sprechen über neue Initiativen und einen möglichen begrenzten Waffenstillstand im Luftkrieg, während der Kreml erklärt, keine konkreten Vorschläge erhalten zu haben. Gleichzeitig setzen beide Kriegsparteien ihre Angriffe fort und versuchen, ihre Position vor möglichen Gesprächen militärisch zu verbessern.
Russland will seine territorialen Gewinne absichern, die sicherheitspolitische Ausrichtung der Ukraine begrenzen und die westliche Militärpräsenz zurückdrängen. Kyiv verlangt belastbare Sicherheitsgarantien, lehnt die formelle Anerkennung russischer Eroberungen ab und will seine Fähigkeit zu weiteren militärischen Operationen erhalten. Zwischen diesen Positionen liegt keine kommunikative Unklarheit, sondern ein fundamentaler Interessenkonflikt.
Beide Seiten nutzen Friedensrhetorik, ohne ihre Bevölkerungen auf den Preis eines Kompromisses vorzubereiten. Moskau spricht von Verhandlungen, während es an maximalistischen Forderungen festhält. Kyiv betont seine Bereitschaft zu einem würdigen Frieden, vermeidet aber eine offene Debatte darüber, welche Ziele militärisch noch erreichbar sind.
Damit bleibt Diplomatie Teil des Krieges. Sie dient der internationalen Positionierung, der Schuldzuweisung und der Vorbereitung auf die nächste Eskalationsstufe. Ein tatsächlicher Friedensprozess würde verlangen, dass beide Führungen ihren Bevölkerungen erklären, auf welche Forderungen sie verzichten wollen, doch genau diese politische Ehrlichkeit fehlt.
Gleiche Härte der Kritik bedeutet keine bequeme Gleichsetzung
Russland und die Ukraine müssen ohne propagandistischen Schonraum geprüft werden. Das bedeutet, russische Angriffe, Repression und territoriale Machtpolitik ebenso klar zu benennen wie ukrainische Mobilisierungswillkür, politische Zentralisierung, Korruption, zivile Folgen eigener Angriffe und unrealistische Kommunikation. Keine Seite darf ihre Entscheidungen allein mit der Schuld der anderen rechtfertigen.
Das macht die Verantwortlichkeiten jedoch nicht mathematisch identisch. Gleiche journalistische Strenge ist keine Prozentrechnung, sondern die Verpflichtung, jede Handlung nach denselben Maßstäben zu prüfen. Wer bereits vor der Untersuchung eine Quote festlegt, ersetzt Analyse durch ein gewünschtes Ergebnis.
Russlands Führung setzt weiterhin darauf, politische Ziele mit militärischem Zwang zu erreichen. Die ukrainische Führung setzt darauf, dass gesellschaftlicher Widerstand, technische Innovation und westliche Unterstützung irgendwann eine bessere strategische Position schaffen. Beide Kalkulationen verlangen immer neue Opfer, obwohl keine Seite überzeugend darlegen kann, wie und wann daraus ein tragfähiges Ende entstehen soll.
Der Krieg lebt von drei Verweigerungen
Moskau verweigert die Einsicht, dass militärischer Druck keine stabile politische Ordnung in der Ukraine schaffen wird. Kyiv verweigert eine vollständige öffentliche Auseinandersetzung mit den Grenzen seiner militärischen Möglichkeiten und den Fehlern seiner Führung. Der Westen verweigert eine klare Antwort auf die Frage, welches Ergebnis er tatsächlich finanzieren und politisch absichern will.
Solange diese drei Verweigerungen bestehen bleiben, wird der Krieg weiterlaufen. Russland besitzt genug Masse, um die Ukraine zu zermürben, aber keine erkennbare Fähigkeit, das Land dauerhaft zu unterwerfen. Die Ukraine besitzt genug Widerstandskraft, um Moskau einen vollständigen Sieg zu verwehren, aber derzeit nicht genug Kraft, um ihre maximalen territorialen Ziele militärisch durchzusetzen.
Das Ergebnis ist kein Gleichgewicht, sondern organisierte Erschöpfung. Soldaten werden an einer Front verschlissen, die sich nur langsam bewegt, Zivilisten leben unter dauernder Bedrohung, und politische Führungen verwandeln fehlende Lösungen in neue Durchhalteformeln. Der Krieg endet nicht, weil eine Seite moralisch recht behält. Er endet erst, wenn Machtansprüche begrenzt, militärische Realitäten ausgesprochen und Kompromisse politisch verantwortet werden. Genau dazu sind Moskau, Kyiv und ihre internationalen Unterstützer derzeit nicht bereit.
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